Micha Lewinsky

Sobald wir angekommen sind

Roman
Cover: Sobald wir angekommen sind
Diogenes Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783257073157
Gebunden, 288 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Ben Oppenheim balanciert zwischen Ex-Frau, zwei Kindern und seiner Liebe zu Julia. Er hat Rückenschmerzen und Geldsorgen, aber was ihn wirklich ängstigt, ist der Krieg in Osteuropa. Getrieben vom jüdischen Fluchtinstinkt steigt er eines Morgens kurzerhand in ein Flugzeug nach Brasilien. Mitsamt Ex-Frau und Kindern, aber ohne Julia. Im Krisenmodus läuft Ben zur Hochform auf. Nur der Atomkrieg lässt auf sich warten. Ben dämmert, dass er sich ändern muss, wenn sich etwas ändern soll.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2025

Rezensentin Katharina Teutsch findet, Micha Lewinsky trifft mit seiner Fluchtgeschichte einer jüdischen Familie, die von Zürich nach Recife auswandert, gleich mehrfach ins Schwarze. Einmal, weil der Krieg in Gaza Vertreibungsängste schürt, und dann, weil sich die Story im Grunde auch um die (universell verständliche) Schaffenskrise eines Menschen dreht (der Held ist ein erfolgloser Drehbuchautor). Wie Lewinsky das in seinem Romandebüt in Szene setzt, mit rasanten Ortswechseln, aberwitzigen Wendungen und "jüdischer Selbstvergackeierung", gefällt Teutsch gut.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.11.2024

Intelligent, "wunderbar witzig" und schön durchgeknallt, findet Rezensent Dirk Fuhrig Micha Lewinskys Romandebüt "Sobald wir angekommen sind". Es geht um das jüdische Ehepaar Oppenheim, das eine überstürzte Flucht nach Brasilien antritt, als Russland Nato-Gebiet beschießt. Ben Oppenheim würde gerne auf den Spuren Stefan Zweigs wandeln, zumindest was dessen schriftstellerischen Erfolg angeht, doch viel kommt dabei nicht rum. "Köstlich" findet es der Rezensent, wie Lewinsky hier Klischees über Männer, Frauen und Juden mit "urbanen Mittelschichts-Lebensüberdruss-Problemchen", aber auch Ängsten vor der aktuellen politischen Lage verquickt. Eine "halsbrecherische Satire" kommt dabei heraus, die ihren gefühlsverwirrten Protagonisten durch eine turbulente Mid-Life-Crisis führt, samt Affäre und Streit mit der Ehefrau, aber auch Verweise auf Politik und Geschichte miteinflicht - in jeder Hinsicht gelungen, freut sich der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2024

Rezensentin Nadine A. Brügger mag den mit Feigheit und Fluchtinstinkt geschlagenen Helden in Micha Lewinskys Roman trotz allem. Für Brügger ein nicht unerhebliches Verdienst des Autors, der die Geschichte um den erfolglosen Drehbuchautor Benjamin Jakov Oppenheim, der mit seiner Familie aus Angst vor einem drohenden Atomkrieg nach Brasilien flieht, mit viel Situationskomik würzt, aber wenig auf Stil und Subtilität setzt, wie Brügger warnt. Dass dieses Buch trotz Hang zum Slapstick und einem "zum allgemeinen Amusement" gequälten Protagonisten unterhaltsam ist, zeigt die Qualitäten Lewinskys als Komödienschreiber.