Horst Turk

Philologische Grenzgänge

Zum Cultural Turn in der Literatur
Cover: Philologische Grenzgänge
Königshausen und Neumann Verlag, Würzburg 2003
ISBN 9783826025181
Kartoniert, 380 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Im Kontext der Globalisierung ist immer wieder von kulturellen Selbstbeschreibungen, Selbstinszenierungen und Selbsterzählungen die Rede, ohne dass sich die Philologien bislang dieser Frage grundsätzlich angenommen haben. Mit den Grenzgängen ist jetzt eine Auswertung der einschlägigen Debatten von der Krise des Historismus bis zur writing culture greifbar, die, aufbauend auf einer theoretischen Reflexion, vor allem auch die praktische Anwendung der Kategorien zeigt. Bezogen auf Jean Paul und Richard Wagner, auf die Paradigmenbildung der Klassischen Moderne bei Walter Benjamin, Robert Musil und Bertolt Brecht sowie auf das stille Einvernehmen der Literaturen in der Vorwendezeit, werden Diskurse, Szenarien und Erzählmuster analysiert, die einen Durchblick auf die Kulturgeschichte der Literatur anhand der poetischen Umsetzungen eröffnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2003

Der "elokutionelle Hochglanz", den Rezensent Oliver Jungen bei Horst Turks "Philologischen Grenzgängen" konstatiert und den er "dabei nicht immer der Verständlichkeit" dienen sieht, haftet seinem eigenen Text ebenso an: diesem hochkomplexen Kompendium zum Cultural Turn in der Literatur, welches die Früchte aus 30 Jahren philologischer Forschung verwertet, dient er sich als verständiger Begleiter an. Turks Anliegen sei, meint Jungen, einen Nachweis des sich allmählich entwickelnden Bewusstseins der Literatur hinsichtlich ihres fundamentalen Bezugs zur Gestik zu erbringen: "die Mimesis", definiert Jungen die Grundthese des Autors, "als ein Werk des (Panto-)Mimen". In einem Durchgang durch die großen kulturellen Debatten des 20. Jahrhunderts scheint Turk "Mitstreiter" für seine "Theorie der untergründigen Macht des Mimischen" zu suchen und gefunden zu haben: etwa bei Gershom Scholem, Walter Benjamin, Bertolt Brecht und Heiner Müller, um einige der Gewährsmänner der Turkschen Kulturdebatten zu benennen. Etwas verwundert zeigt sich Jungen über der Tatsache, dass der Autor, statt seine Suche nach der performativen Seite der Literatur bis in die Gegenwart fortzusetzen, diese bei der Kontroverse Müller/Hacks abbricht und ins neunzehnte Jahrhundert zurückkehrt. "Eigentümlich monolithisch" wirkt auf ihn das 200 Seiten umfassende Schlusskapitel, dass nur schwer in die Gesamtkonzeption zu integrieren sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Karol Sauerland wirkt im Großen und Ganzen recht angetan von dieser Studie zum "Cultural Turn" in der Literatur. Horst Turk untersucht darin Werke von Musil, Brecht, Hacks, Heiner Müller, Richard Wagner und Jean Paul, wobei er sich aber zunächst intensiv mit Theoretikern wie Hermann Cohen, Max Weber Gershom Scholem und anderen auseinandersetzt, erklärt der Rezensent. Er stellt erfreut fest, dass insbesondere bei dem Vergleich zwischen Autoren der Jahrhundertwenden von 1800 und 1900 der Autor häufig zu "amüsanten Schlüssen" kommt. Am besten hat ihm das Kapitel über Wagner und Jean Paul gefallen, das er als "spannend" lobt und ebenfalls sehr überzeugend findet er die Passagen, in denen sich Turk mit Dramen beschäftigt.

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