Erdmut Wizisla

Benjamin und Brecht

Die Geschichte einer Freundschaft.
Cover: Benjamin und Brecht
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518399545
Gebunden, 280 Seiten, 13,00 EUR

Klappentext

Die Freundschaft zwischen Walter Benjamin und Bertolt Brecht gehört zu den ästhetisch und politisch folgenreichen des 20. Jahrhunderts. Hannah Arendt nannte die Freundschaft "einzigartig", "weil in ihr der größte lebende deutsche Dichter mit dem bedeutendsten Kritiker der Zeit zusammentraf". Andere Freunde teilten dieses Urteil nicht. Ihr Argwohn hat zu Fehldeutungen geführt, die sich bis heute halten. Das Buch sichert die Spuren der Begegnung und räumt dabei Vorurteile aus dem Weg. Zahlreiche unveröffentlichte Dokumente ermöglichen neue Wertungen. Erstmals analysiert werden die Gesprächsprotokolle des Zeitschriftenplans "Krise und Kritik" (1930/31), die dem Band als Faksimile beigegeben sind. Anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Notizen werden die Themen der Zusammenarbeit aufbereitet. Eigene Kapitel widmen sich sowohl Benjamins Arbeiten über Brecht als auch Brechts Äußerungen über Benjamin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.04.2005

Ein solches Buch hätte er sich schon in den 60er Jahren gewünscht, gesteht Momme Brodersen, als nämlich die Fronten der Brecht- und Benjamin-Anhänger sich unversöhnlich gegenüber standen. Damals ging es um die "Wiedereinbürgerung des Marxismus" in der Bundesrepublik, erinnert sich Brodersen, und es ging um die marxistischen Anteile im Denken Walter Benjamins. Die Zeiten ändern sich, und heutzutage lässt sich die Leitung des Walter-Benjamin-Archivs mit der Leitung des Brecht-Archivs vereinbaren, ein Umstand, welches den Autor für das vorliegende Buch besonders qualifiziert. Es ist ein geglücktes Buch, findet Brodersen, temporeich und spannend geschrieben, das viele "vermeintliche Gewissheiten" über die beiden Protagonisten umzustoßen wisse. Die eigentlich produktive Zeit der Freundschaft Brecht-Benjamin fiel in die 30er Jahre, fasst Brodersen zusammen, sie verlief symbiotisch, aber nicht konfliktfrei. Der Rezensent hebt es als Verdienst des Autors hervor, dass gerade die Konfliktpunkte - unter anderem ging es um Stalin und die Schauprozesse - nicht nur aus der Sicht Benjamins dargestellt würden, weshalb es seines Erachtens neue Ansätze in der Interpretation Brechts geben müsste.

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