Horst Bredekamp

Die Fenster der Monade

Gottfried Wilhelm Leibniz' Theater der Natur und Kunst
Cover: Die Fenster der Monade
Akademie Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783050037196
Gebunden, 279 Seiten, 44,80 EUR

Klappentext

Das Buch steht im Zusammenhang des Versuches, die zentrale Rolle der Bilder für die Ausbildung der modernen Philosophie am Beispiel bedeutender Gestalten des siebzehnten Jahrhunderts zu rekonstruieren. Das Projekt begann mit der Erschließung der Staatstheorie aus der Bildpolitik des "Leviathan" von Thomas Hobbes. Mit Gottfried Wilhelm Leibniz' Ideen, ein Theater der Natur und Kunst sowie einen Atlas der Einbildungskraft zu errichten, folgt nun die Rekonstruktion eines Projektes, das für das Verständnis seiner Philosophie von tiefgreifender Bedeutung sein könnte. Obwohl Leibniz diese Idee so hartnäckig und ausdauernd wie kaum ein anderes Unternehmen betrieben hat, ist sie in der Forschung bislang so gut wie unbekannt geblieben. Für diesen Umstand war die zersplitterte und unvollständige Überlieferung von Leibniz' Schriften ebenso verantwortlich wie ein mächtiger Strang der Philosophiegeschichte, der die Welt des Haptischen und Visuellen immer dann favorisiert, wenn sie transzendiert wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2005

Als "wunderbares Buch" würdigt Wolfram Hogrebe dieses Werk des Kunsthistorikers Horst Bredekamp über Leibniz. Als Bredekamps Ausgangspunkt nennt er Leibnitz' Vision einer gigantischen Inszenierung des Gesamtwissens seiner Zeit, eines Palasts des Wissens, den nicht nur Wissenschafter aller Art, Mathematiker, Ingenieure, Architekten, sondern auch Maler, Bildhauer, Zimmerleute, Uhrmacher, aber ebenso Musiker, Dichter, Schauspieler, Schausteller, Bibliothekare, Kupferstecher bevölkern. Dass Leibnitz zugunsten eines adäquaten Weltverständnisses den Konflikt zwischen den Sprachen der Mathematik und Metaphysik, zwischen den Sprachen von Kalkül und Intuition, zwischen analytischem und phänomenologischem Denken zu vermeiden suchte, mache für Bredekamp die Aktualität seines Denkens aus. Leibnitz erscheine als "Versöhner" zwischen den Kulturen des Erklärens und Verstehens, der sich auf allen Gebieten bewährt habe, auf dem Gebiet der Wissenschaften und Künste ebenso wie auf dem Gebiet der Konfessionen. In elf Kapitel entfalte Bredekamp das Arsenal der Repräsentationen, wie es sich Leibniz vorgestellt hatte. In reich illustrierten Ausgriffen in das Oeuvre von Leibniz im Kontext seiner Zeit präsentiere Bredekamp Guerickes Kugeln, Schattentheater, mathematische Signaturen, Fossilien, Zeichnungen, Bilderatlanten und die Institution der Akademie, "um einen faszinierenden Philosophen hervortreten zu lassen, den es so noch nicht gab".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2005

Das Buch des Kunsthistorikers Horst Bredekamp über Gottfried Wilhelm Leibniz ruft beim Rezensenten Christian Geyer einigen Widerspruch hervor, auch wenn er die Positionen des Autors nicht rundweg ablehnt. In seinem "kühnen Zugriff" auf den Philosophen und Universalgelehrten geht es Bredekamp wieder mal darum, die "Kunstgeschichte als historische Bildwissenschaft" zu erfassen, erklärt der Rezensent. Mit seinen Abhandlungen über Galileo Galilei und Thomas Hobbes bildet der vorliegende Band eine Trilogie, in der der Autor das Sehen als erkenntnistheoretisches Instrument zu etablieren sucht, so Geyer weiter. In der Kunstkammer, für deren Aufbau in mehreren Städten Leibniz sich einsetzte, sieht der Philosoph nach Bredekamp die "Monade in äußerer Repräsentation" und das Anschauen der Exponate aus Natur und Kunst als "Simulierung des göttlichen Blicks", erklärt der Rezensent, den langsam "erste Zweifel" an der Argumentation des Autors plagen. In seinem geradezu "subversiven Programm", Leibniz' berühmtes Diktum von der "Fensterlosigkeit der Monade" als "Selbstmissverständnis" zu lesen und die Sinne entgegen dessen Auffassung als Instrument der Erkenntnis der Monade anzunehmen, entpuppt sich das Buch nach Auffassung des Rezensenten als ein "mit Leibniz gegen Leibniz argumentierendes Manifest". Er hat viele "überzeugende Detailexegesen" in dieser Studie gefunden, doch als neuen "philosophischen Rahmen" für Leibniz' Metaphysik mag Geyer Bredekamps Ausführungen dann doch nicht gelten lassen. Als "kunsthistorische Ergänzung" zum philosophischen Programm Leibniz' dagegen kann der Rezensent die Argumentation des Autors stehen lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Rezensent Wilhelm Trapp gratuliert Horst Bredekamp dafür, ausgerechnet bei Lessing "die Apotheose des Bildes" freigelegt zu haben, ausgerechnet also bei dem Philosophen, "dessen monadisches Menschenbild als Grab jedes Sinneneindrucks gilt". Durch das ganze Werk hindurch habe Bredekamp "die versprengte Spur des Visuellen" aufgenommen und diese zu einer Art "Bilderbogen" zusammengestellt. Bei Lessing, erläutert der Rezensent Bredenkamps Erkenntnis, bildet das Visuelle das Gegenstück zur "analytisch-abstrakten Wissenschaft". Gemeint sei damit der "intuitive Blick" des Künstlers, dem eine andere Art der Erkenntnis offen stehe. An diesem von Leibniz propagierten "rein bildhaften Erkennen" missfällt dem Rezensenten allerdings, dass es nicht als "ästhetisches Ereignis" geachtet ist, sondern als "natürliche Sonderform des mathematischen Zeichens". Und auch für Bredekamps Vorgehensweise kann er sich nicht so recht erwärmen, da dieser weitgehend auf Abgrenzungen von anderen Kosmologien verzichtet, und seine Studie daher wie ein "autarker Leibniz-Atlas" daherkomme.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2004

Gottfried Boehm sieht Horst Bredekamp dort an der Arbeit, wo Aby Warburg einst nicht weitermachen konnte: an den Fundamenten einer "historischen Bildwissenschaft". Dort ist er auf Leibniz und dessen Monade - ein "ikonisches Konstrukt" als Zentrum einer "universellen Arbeit" - gestoßen und deutet dabei gleich Leibniz neu, genauer: Er arbeitet, indem er seinen ikonischen "Kerngedanken" herausschält, seine Philosophie der Repräsentation, des "Zeigens", die Verbindungen zwischen seiner Mathematik und seiner Metaphysik heraus. Leibniz' Interesse für die Laboratorien und Wunderkammern - den "Schau- und Zeigekammern" - seiner Zeit, das der Forschung bisher immer latent peinlich war - genau das, verkündet Boehm begeistert, sei der "missing link", der "sein Denken in mathematischen Kalkülen mit seiner Neigung zu anschaulichen Sachgehalten verbindet". Und bevor der Rezensent dann ganz weit in die detailreichen Tiefen des Leibniz'schen Denkens hinabsteigt, lässt er uns noch wissen, dass er dieses Buch für ein ganz großes hält.
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