Aus dem Englischen von Sabine Schulz. Feuer ist eine der ältesten Technologien menschlicher Einflussnahme auf die Welt. Mit der "thermodynamischen Wende" neuartiger Systeme der Bilderzeugung, wird Hitze zum paradigmatischen Medium und wertvollsten Rohstoff. In den "heißen" Ökonomien von Distribution und Diffusion werden visuelle Erzeugnisse unmenschlich und unsichtbar, operative Bilder zu performativen Daten- Ereignissen. Wie können Kunst und Kreativität wieder eine unabhängige Stellung einnehmen, wenn Bilder zerstörerisch werden und sich von der Realität lösen? Wie können diese Systeme der Enteignung und Verschwendung von neuen Bild-Ökologien abgelöst werden? Welche Medien ermöglichen kreative künstlerische Gegenpraktiken zu generativen Produktionsmechanismen? Hito Steyerls neueste Essaysammlung fragt nach der notwendigen Transformation der Kunst in Zeiten von generativer KI und Techno-Kapitalismus; nach den Quellen und Räumen eines neuen Gemeinsinns im Zeitalter "performativer Statistiken".
Angeregt schreibt Rezensentin Alexandru Bulucz über Hito Steyerls KI-Buch. Steyerls Gedanken zu digital generierten Bildern nehmen ihren Ausgangspunkt bei Marshall McLuhans Unterscheidung zwischen heißen und kalten Medien, die bei Steyerl allerdings ganz anders funktioniert als im Original: Steyerl bezieht sie nämlich auf den Energieverbrauch bei der Berechnung digitaler Bilder und zeigt, wie die Verwandlung von heißem visuellen Chaos in kalte ikonische Ordnung mit einer realen Aufheizung der Atmosphäre unseres Planeten einhergeht, weil KI-Anwendungen extrem stromintensiv sind. Außerdem interessiert sich Steyerl für den Zusammenhang von KI und Bürokratie, konkret interessieren sie die Schematismen hinter den digitalen Bildern, die an rassistische und andere Normierungen anschlussfähig und außerdem mit Waffentechnologie verquickt sind. Das alles will, lernen wir von Bulucz, auf eine politische "Ökonomie der Entropie" hinaus, mithin geht es Steyerl nicht um kunsttheoretische Gedankenexperimente, sondern um politische Forderungen, die darauf abzielen, gegen die Monopolisten digitale Gemeingüter, Kooperativen und ähnliches zu etablieren. Bulusz scheint von dieser Idee durchaus angetan zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025
Bereichernde Gedanken zu den neuen Bildregimen der digitalen KI-Gegenwart liefert Hito Steyerl in diesem Buch laut Rezensent Niklas Maas. Steyerl beschäftigt sich sowohl künstlerisch als auch intellektuell seit langem mit neuen Technologien im Umkreis von Bildproduktion, wie etwa auch Drohnen, unter anderem geht es in den Texten darum, wie Bilder zu Waffen werden können - was Steyerl selbst an Kriegsschauplätzen miterlebt hat. Außerdem beschäftigen sich die Texte laut Maas mit den materiellen Voraussetzungen moderner Informationstechnologie, zum Beispiel mit energieintensiven KI-Rechenzentren, die zur Erderwärmung beitragen - der Titel der Essaysammlung bezieht sich jedoch nicht nur darauf, sondern auch auf die wie geschmolzen ausschauenden Geschöpfe, halb Mensch, halb Nahrungsmittel, die auf einigen KI-Bildern auftauchen. Viel steckt drin in diesen Texten, freut sich der Rezensent, und sie laufen am Ende keineswegs bloß auf Doomsday-Kulturpessimismus hinaus, vielmehr ermöglicht Steyerls Kunstschaffen einen Ausblick auf eine bessere Technikzukunft, die nicht bloß im Zeichen rücksichtsloser Gewinnmaximierung steht.
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