Der Name an der Wand

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN
9783498007423
Gebunden, 160 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Romy und Jürgen Ritte. Le Tellier sucht ein neues Zuhause in Südfrankreich, in der Nähe der Alpen, er will Wurzeln schlagen. Im beschaulichen Dorf La Paillette findet er ein Haus, früher eine Keramikwerkstatt. An einer der Mauern ist ein Name eingeritzt: André Chaix, der zwanzig war und in der Résistance, als er von den Deutschen erschossen wurde. Le Tellier macht sich auf die Suche. Bei einer Ausstellung über den Widerstand in der Region stößt er erneut auf André Chaix. Man übergibt ihm eine Schachtel mit Briefen, Bildern, persönlichen Gegenständen: Wer war dieser junge Mann? Was für ein Leben führte er, wer war seine erste große Liebe, was hat ihn bewegt, seine Existenz im Kampf gegen die Besatzer aufs Spiel zu setzen? Dieses Buch verwebt persönliche Geschichten und europäische Historie. Ein Text, der uns in einer Zeit neuer Kriegsangst berührt, aber auch tröstet. Im Mittelpunkt ein Mann, der nicht mitgemacht hat.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 28.06.2025
Rezensent Klaus Bittermann ist hingerissen von Hervé Le Telliers neuem Buch. Nach seinem letzten Riesenerfolg "Die Anomalie" begibt sich der Autor nun auf die Spuren eines Namens, den er eingeritzt an der Wand seines neuen Landhauses in Südfrankreich entdeckt hat: André Chaix, bei dem es sich, wie Le Tellier herausfindet, um einen jungen Partisanen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs handelte. Wie der Autor sich dann im Buch mit einer zurückhaltenden, sensiblen Neugier mit diesem Mann auseinandersetzt, etwa nahezu "andächtig" dessen letzte persönliche Gegenstände begutachtet (Ausweisdokumente, Fotos, ein Zigarettenstummel) oder ein unbeschwertes Alltagsleben vor der Résistance imaginiert, und wie er dann von dieser Ebene den Sprung schafft zu Reflexionen über "das große Ganze" - etwa über die Beweggründe, als Franzose den Nazis freiwillig zuzuarbeiten, oder die Struktur von Unterwerfung an sich -, findet der Kritiker höchst eindrücklich und gar nicht gesucht. Ein "filigranes Denkmal", das die Balance zwischen Partikularem und Allgemeinem "hinreißend" meistert, schließt Bittermann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.04.2025
Rezensent Dirk Fuhrig zeigt sich tief beeindruckt von der Kraft von Hervé Le Telliers neuem Roman, der sich zum Ziel gemacht hat, die Geschichte des weitgehend unbekannten Résistance-Kämpfers André Chaix auszuloten, der 1944 mit nur 20 Jahren von den deutschen Besatzern getötet wurde. Der Ich-Erzähler stößt bei der Suche nach seiner eigenen Vergangenheit auf dessen Namen, erfahren wir, er stammt aus Dieulefit, ein starkes Zentrum des Widerstands, in dem sich zeitweise auch Stéphane Hessel und Henri Roché aufhielten. Fuhrig liest aus der Warte des Erzählers gefühlsbetonte Liebesbriefe von Chaix, von Le Tellier so einfühlsam geschildert. Zugleich werden die deutschen Gräueltaten sprachlich kalt beschrieben. Präzise, lebendig und kraftvoll gelingt es dem Autor, anhand von André Chaix eine überzeugende Geschichte über Verdrängung, Erinnerung, Gewalt und Widerstand zu erzählen, resümiert der Kritiker.