Herbert Kraft

Musil

Cover: Musil
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2003
ISBN 9783552052802
Gebunden, 358 Seiten, 23,50 EUR

Klappentext

Den Titel des großen Romans "Der Mann ohne Eigenschaften" kennt jeder, der Verfasser ist jedoch mehr als sechzig Jahre nach seinem Tod so rätselhaft geblieben, wie er es zeitlebens war. In Herbert Krafts brillant geschriebenem Buch wird deutlich, wie Robert Musils Leben und Werk einander ergänzen; die Auseinandersetzung mit diesem Jahrhundertschriftsteller wird auf eine neue Stufe gestellt. Prägnant und luzide zugleich erhellt Kraft Musils Welt, nimmt dem Leser die Angst vor der Größe seines Werks und macht es für uns Heutige verständlich: das Porträt eines Lebens, das von der Passion des Schreibens erfüllt war.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003

Vielleicht wäre Herbert Krafts Musil-Biografie in Klaus Harpprechts Augen besser davon gekommen, wenn sie sich nicht mit Karl Corino gewaltigem Opus hätte messen lassen müssen. Aber in Harpprechts direkten Vergleich schneidet dieser schmale Band des in Münster Neuere Literaturgeschichte lehrenden Herbert Kraft nicht gut ab. Zu schmal erscheint ihm dieser Abriss für Musils vielschichtiges, widersprüchliches Leben. Und Krafts Technik, die "biografischen Elemente durch kursiv gedruckte Zitate mit dem Werk zusammenfließen zu lassen", behagt dem Rezensenten gar nicht. Statt für Erhellung zu sorgen, moniert der Rezensent, verbreitet sie "diffuses Licht".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2003

Als "bewusst irritierend" empfindet Heribert Kuhn die Musil-Studie von Herbert Kraft, der mit der Form des biografischen Werk-Essays jongliere. "Äußerst kompakte" Werkanalysen wechseln sich mit biografischen Ausführungen ab. Aus wissenschaftlicher Perspektive kann diese Mischung wie "Grenzgängerei" wirken, schreibt Kuhn, allerdings zeige sie auch, dass der "existenzielle Aspekt" bei Musils Werk nicht vernachlässigt werden dürfe. Ungewöhnlich sei auch, dass der Autor entgegen der geltenden Regeln des Germanistenhandwerks sich mit Werturteilen "durchaus nicht" zurückhalte. Der Rezensent sieht in diesem Stil die "Entschiedenheit des Lakonikers". Trotz oder gerade wegen der unüblichen Form sei Krafts Studie aber ein wichtiger Beitrag zur "Grundlagenforschung" über Robert Musil.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.11.2003

Beinahe zeitgleich mit dem "Monumentalschmöker" des Musil-Experten Karl Corino ist dieses sehr viel schmalere Musil-Porträt von Herbert Kraft erschienen. Den Vergleich jedoch mit Corinos Buch hält es, wie Oliver Pfohlmann erklärt, in keiner Hinsicht aus. Die im ersten Kapitel zusammengefassten biografischen Informationen seien noch das überzeugendste daran - den Rest aber hat der Rezensent mit deutlichem Unwillen gelesen. Enervierend findet er etwa die philologische Leichtherzigkeit des Verfassers, der es immer wieder für unnötig halte, anzugeben, woraus er gerade zitiert. Oder die Schnelligkeit, mit der er die schlichtesten "historischen Assoziationen" bei der Hand hat. Kein Zweifel: Von diesem Buch wird entschieden abgeraten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Das Bändchen kann es im Umfang natürlich nicht mit Robert Musils Werk aufnehmen, meint Rezensent Christoph Bartmann, doch das hat es auch nicht vor. Es will Biografie und "Werkanalyse" sein und bringt eine für den Rezensenten überraschende, "ebenso knappe wie bündige Charakteristik des Besonderen und Eigentümlichen an Musils Werk" zustande. Fernab des "materialgesättigte Duktus eines Chronisten", klinge Herbert Kraft, als wolle er Gewusstes und Geahntes "in einem einzigen Bild zusammenfassen". Dabei kommt es zu kleinen, aber feinen Sätzen, lobt Bartmann, wie etwa: "Die Alltage machten Robert Musils Leben aus, nicht die Festtage." Gerade in diesem Ton, den man für impressionistisch halten könnte, erwachse allerdings ein überzeugendes Gleichgewicht zwischen wirklicher Nähe zum Gegenstand und dem "gebührenden Abstand gegenüber einem Mann, der auf nichts so viel Wert legte wie auf Abstand", und dem, so der Rezensent nach Lektüre dieser Biografie, auf "Erden nicht zu helfen war".

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