Die "Welt von gestern", die mit dem Ersten Weltkrieg unterging, war voller innerer Widersprüche und äußerer Spannungen und erschien doch im Rückblick als verlorenes Paradies. Die Sieger dieser Geschichte sind oft genannt und gehört worden. Doch was war mit den Verlierern, und welches künftige Unheil war in der neuen Welt schon im Keim angelegt? Arne Karsten erzählt eine andere Geschichte des großen Epochenumbruchs jenseits der hohen Politik.
Da ist zum Beispiel Stephanie Bachrach, die jugendliche Freundin Arthur Schnitzlers und geistsprühende Tochter eines jüdischen Börsenmaklers in Wien. Nach Bankrott und Selbstmord des Vaters tritt die einstige Millionenerbin im Krieg als Krankenschwester in den Spitaldienst ein und nimmt sich 1917 das Leben - wie soviele junge Frauen ihrer Generation, denen ihre vertraute Welt weggebrochen war. Neben diesen beiden lässt Arne Karsten eine Fülle anderer Zeugen auftreten - Diplomaten, Militärs, Politiker, Künstler der späten k. u. k. Monarchi.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2019
Birgit Aschmann wird von Arne Karstens Buch über das Ende der k.u.k. Monarchie vor allem dazu angeregt, Arthur Schnitzler zu lesen. Weil der Autor zu viel will und Literatur als Mittel historischer Erkenntnis missbraucht, wie Aschmann erklärt, bleibt von dem Buch darüber hinaus nicht allzu viel übrig, auch wenn die Rezensentin dem Zitieren von Literaten und politischen Akteuren im Buch eine gewisse Anschaulichkeit nicht absprechen kann. Als Beitrag zur Wiener Jahrhundertwende-Literatur taugt der Band für sie durchaus. Der Versuch aber, die Biografie der von Schnitzler verehrten Stephanie Bacharach alias Fräulein Else mit dem Ende der Habsburger-Ära zu verbinden, scheitert, findet Aschmann.
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