Die biografische Auseinandersetzung mit Wilhelm Furtwängler geschieht oft in Extremen: Je nach dem Standpunkt des Autors wird er moralisierend als politischer Opportunist, ja Parteigänger der Nazis dargestellt oder bewundernd als Retter der Verfolgten eines Gewaltregimes, dem er Widerstand leistete. In einem Punkt aber ist man sich einig: Er war einer der größten Dirigenten, die je gelebt haben. Herbert Haffner setzt Furtwänglers Fama mit der Realität in Beziehung und entdeckt den Menschen hinter dem Mythos.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2003
Marcus Stäbler bewertet Haffners Biografie über den Dirigenten Wilhelm Furtwängler überaus positiv. Der Schwerpunkt liege eher auf Charakter und Werdegang Furtwänglers als auf den künstlerischen Aspekten seines Lebens, und dankenswerterweise sei es Haffner gelungen, sich den widersprüchlichen Elementen im Verhalten des Dirigenten, insbesondere in der Nazizeit, zu stellen, ohne zu polarisieren oder zu verschweigen. Trotzdem versteht es der Autor bei aller Distanz, auch Stellung zu beziehen und den Dirigenten kritisch zu beleuchten, betont der Rezensent, der neben allen inhaltlichen Vorzügen auch die Tatsache lobend hervorhebt, dass diese Monografie "penibel recherchiert" und "ebenso flüssig wie spannend geschrieben" sei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2003
Wolfgang Schreiber ist sehr zufrieden mit Herbert Haffners Biografie, attestiert ihm hervorragende Sachkenntnis und geht besonders mit der Stoßrichtung des Buches d?accord: höchste Zeit, mit dem "Mythos Furtwängler" aufzuräumen. Haffner verzichte völlig zu Recht auf das "lang gepflegte Pathos" in der Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Dirigenten: "Hagiografie findet nicht statt." Stattdessen liefere er Argumente dafür, Furtwänglers Leben mit historischen Augen zu betrachten - und durch diese, so der Rezensent, sieht man einen Antimodernisten "zwischen deutschnationalem Bildungsideal, ratlosem Mitläufertum und Opportunismus". Er hebt außerdem die hohe "Brauchbarkeit" der Monografie hervor, sowie ihre gut organisierte Materialfülle, die auch die Länge von 500 Seiten voll rechtfertige. Haffner sei es gelungen, die Phasen im Leben und der Karriere Furtwänglers "plausibel darzustellen" und dazu erhellende Blicke "hinter die Kulissen der Staatsmacht und des Dirigierbetriebs" während der Nazizeit zu werfen.
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