"Auschwitz" ist die deutsche Metapher schlechthin. Sie steht für den großen Zivilisationsbruch, ist aber in der tagespolitischen Auseinandersetzung längst zum billigen argumentativen Kleingeld verkommen. In die Erinnerung an den Holocaust investieren die Deutschen seit Jahren Unsummen, ihre Israel- und Nahostpolitik, ja ihr Agieren auf der weltpolitischen Bühne aber zeigen, dass diese Erinnerungsrituale oft nicht mehr sind als eine leere Geste, eine Ablenkung von der Gegenwart oder sogar noch Schlimmeres.
Schön, manchmal hat Henryk M. Broder ja Recht, so Rezensent Alexander Cammann. Doch hat man bei der Lektüre seiner Rezension das Gefühl, als habe er das Buch dieser "Krawallschachtel vom Dienst" eher widerwillig in die Hand genommen. Also: Antisemitismus, der sich als Antizionismus tarnt, gibt es durchaus, hat Cammann gelernt, und dass die Deutschen von Israel besessen sind, ist eine "bedenkenswerte Beobachtung" Broders. Aber wenn er dann behauptet, die Deutschen sehnten sich danach, jemand anderes mögen den Job der Nazis zu Ende bringen, fehlt es Cammann einfach an "Argumentationslogik".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.03.2012
Henrik M. Broders jüngstes Buch nimmt sich des Themas Antisemitismus auf treffende, witzige Art an, meint der hier rezensierende Historiker Götz Aly, und unterscheide sich damit wohltuend von den bierernsten Wälzern deutscher Akademiker. Insbesondere Broders Kritik an den Thesen des Antisemitismusforschers Wolfgang Benz ist beim Rezensenten gut angekommen. Wenn der Autor Benz vorwirft, in seinen Arbeiten einen "verbiesterten deutschen Antisemitismus" zu befördern und sich nach Schlossherrenmanier gegen Kritiker zu erwehren, kann Aly ihm aus vollem Herzen zustimmen, nicht zuletzt, weil er, wie er schreibt, mit Benz ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Broders Erkundungen des modernen Antisemitismus, dem er durchaus komische Seiten abzugewinnen versteht, mündet für den eingenommenen Rezensenten zwar in ein "befreiendes Lachen", aber eben auch in die Erkenntnis, dass das "kleine Böse", das sich gern hinter der Kritik an Israel verbirgt, durchaus virulent ist.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich…