Henrik Hieronimus

Morgens an irgendeinem Tag

Geschichten vom Leben
Cover: Morgens an irgendeinem Tag
Jung und Jung Verlag, Salzburg - Wien 2003
ISBN 9783902144652
Gebunden, 114 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Sie arbeiten am Bau, pflastern Straßen, setzen Randsteine, reparieren, was kaputt ist. Sie behandeln ihre Kollegen nicht unbedingt besser als der Chef sie. Die Arbeit ist eintönig, nervend, geht an die Grenzen. Manchmal hilft Bier, manchmal Dope, manchmal gar nichts mehr. Über Frauen wird eine ganze Menge geredet, oft nur das, und darüber, wie es weitergeht. Dann kommt der Feierabend, das Wochenende, auch da läuft nicht alles rund. Einerseits. Andererseits ist das das Leben, das man hat, und ein anderes steht nicht auf dem Lohnzettel. Wenn Pjotr an die Tür klopft, kann man ihn doch nicht draußen stehen lassen. Hereinspaziert, aufs Sofa oder an den Küchentisch mit ihm. Und dann: ein Bier und ein Omelett gegen eine Geschichte. Kein schlechter Tausch, lieber Leser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2003

Bei dem Erzähldebüt von Henrik Hieronimus handelt es sich nach Auffassung des Rezensenten um "Arbeiterliteratur alter Schule, doch ohne jede ideelle Überformung". Was früher mal Entfremdungskritik hieß, fände bei Hieronimus eher beiläufig Erwähnung, wie dass die Arbeit auf dem Bau eine dem Denken abträgliche Tätigkeit sei, meint Richard Kämmerlings. Und doch ginge es um einen sozialen Aufstieg, der sich Kämmerlings über Berichte von Heim und Herd vermittelt. Denn die Arbeit auf dem Bau geht zuallererst durch den Magen, und wer dort schuftet, isst anders, als ein Angestellter kocht. Henrik Hieronimus, Jahrgang 1979, hat sich seine Erfahrungen als Hilfsarbeiter "von der staubbedeckten Seele geschrieben", vermutet Kämmerlings. Es seien eher Szenen und Schnappschüsse, findet Kämmerlings, statt richtiger Geschichten, und auch in der Gesamtheit würden sie sich nicht zu einer Entwicklung im Sinne eines proletarischen Bildungsromans fügen. Ein unspektakuläres und sympathisches Debüt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.09.2003

Susanne Messmer ist ganz angetan von dem "sympathisch antriebsschwachen Held" Cherobini, der ihrer Beschreibung nach auf dem Bau arbeitet, ganz zufrieden mit seiner Kleinstadt ist, gern isst und kifft, und ab und an auch mal was Intellektuelles liest. Das könnte belanglos und langweilig sein - ist es aber nicht, versichert die Rezensentin. Die Tage plätschern "ebenso angenehm vor sich hin wie die Erzählung" - aber an keiner Stelle frage man sich, was er eigentlich wolle, dieser Cherobini. Der Autor Henrik Hieronimus scheine sich jedenfalls gut mit dem Leben einer solchen Figur auszukennen, um es so überzeugend beschreiben zu können.

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