Henning Ahrens

Glantz und Gloria

Ein Trip
Cover: Glantz und Gloria
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100005298
Gebunden, 176 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Rock Oldekop kehrt nach Glantz im Düster, in seine alte Heimat zurück, um herauszufinden, was sich wirklich zugetragen hat, damals, in der Nacht, als seine Eltern bei einem Brand umkamen. Tiefer und tiefer gerät er in einen wahnwitzigen rasenden Albtraum. Fürchterlich und barbarisch geht es zu in diesem fiktiven Mittelgebirge. Radikal phantastisch, mit einer zärtlichen Absolutheit und virtuosen Wucht erzählt Henning Ahrens von der Suche nach der Herkunft, einer Identität, einer Lebensgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2016

Henning Ahrens' neuer Roman "Glantz und Gloria" passt zwar hervorragend zur "Wutbürger"-Kultur, hat aber noch wesentlich mehr zu bieten, verspricht Rezensent Wolfgang Schneider. Er gerät hier in das Provinznest "Glantz", dessen Bewohner größtenteils in der Fleischindustrie tätig sind und alle Fremden durch martialische Warnungen und Sprechchöre von ihrem Dorf fernzuhalten versuchen. Nicht die beste Position für die Protagonistin Gloria, die als Landärztin in Glantz ein neues Leben beginnen will und sich ebenso wie der tief in einer Lebenskrise steckende und auf den Spuren seiner Vergangenheit wandelnde Rock bei dem militanten Vegetarier und Öko-Esoteriker Landauer verstecken, verrät der Kritiker. Großartig, wie Ahrens in seinem Roman bis ins Surreale überspitzt, eine "Phantastik des Fanatischen" entwirft und Computerspiel-Elemente mit Märchenmotiven verbindet, lobt der eingenommene Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2015

Hymnisch bespricht Rezensentin Wiebke Porombka Henning Ahrens neuen Roman "Glantz und Gloria", der ihr wie ein "auf Vollspeed getuntes" expressionistisches Kinderbuch erscheint. Fasziniert begibt sich die Kritikerin in Ahrens' leuchtend gemalte Märchenwelt, in der sie mit dem psychisch lädierten Protagonisten Rock Oldekop in der niedersächsischen Provinz nach den Überresten seiner schmerzvollen Vergangenheit sucht. Auch die Begleitung durch verschiedenen Schauergestalten, die sie von einem grotesken Höhepunkt zum nächsten begleiten, hat der Kritikerin gut gefallen. Vor allem aber lobt sie Ahrens' Vermögen sich mit anspielungsreichen Märchenmotiven der Wirklichkeit unerbittlich zu nähern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.11.2015

Dorothee Wahl schätzt die Aktualität des Textes und das Wissen des Autors Henning Ahrens um die Provinz, seine Einzelgänger und den mitunter in ihr schlummernden Fremdenhass. Wie sich der tumbe Mob in einem Mittelgebirgskaff langsam in diesen Hass hineinsteigert, vermittelt ihr der Autor in "meisterlicher" Sprache, zitat- und anspielungsreich und mit Neigung zur Groteske. Für Wahl eine fiktionale Erfahrung sehr nah am Realen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.08.2015

Über den neuen, nun unter dem Titel "Glantz und Gloria" erschienenen Roman von Henning Ahrens freut sich Rezensent Christopher Schröder ganz besonders. Denn zum einen lobt der Kritiker Ahrens' Kunst, ebenso märchenhaft-fantasievolle wie abgründig-düstere Geschichten aus der Provinz zu erzählen, zum anderen erscheint ihm dieses Buch, das sich wie eine "Albtraumreise in ein durchgeknalltes Dunkeldeutschland" liest angesichts der Ereignisse in Freital und anderen Gemeinden äußerst aktuell. Der Rezensent begibt sich mit Protagonist Rock Oldekop in das kleine Dorf Glantz, "einen bösen Ort", wo Rock versucht, den Jahrzehnte zurückliegenden Tod seiner Eltern aufzuklären, und er erlebt vor allem den durch die Straße ziehenden Lynchmob, der sich im gemeinsamen Hass gegen einen Tierschützer zusammengefunden hat. Großartig, wie Ahrens das alles mit einer Portion Zombieästhetik und Fantasy mischt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.08.2015

Kaum zu glauben, dass der Roman nur 176 Seiten hat. Nach Richard Kämmerlings Besprechung zu urteilen, müsste er 500 haben. Derart vielschichtig und verspielt erscheint der Text von Henning Ahrens hier. Ist es eine Satire, ein Märchen? Wenn es um die deutsche Provinz geht, merkt der Rezensent schnell, kann es gar nicht fantastisch, irr genug zugehen, um nicht von der Wirklichkeit noch eingeholt zu werden, Stichwort: Tröglitz, Freital etc. Ahrens schickt einen Mittvierziger in der Lebenskrise zurück nach Düsterland, da kann er was erleben. Als Höllentrip und Zitatreigen im Gameformat kommt das laut Kämmerlings daher, voll mit untoten Deutschgeistern, Verweisen und Symbolen, dass der Leser aufpassen muss. Die Provinz wurde nie so spielerisch begangen, findet er, so klug und so traurig auch.
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