Helon Habila

Öl auf Wasser

Roman
Cover: Öl auf Wasser
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2012
ISBN 9783884233917
Gebunden, 240 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Port Harcourt, Nigeria, im Delta des Niger. Eine Frau verschwindet. Dies wäre keine Nachricht in den Medien wert, wu?rde es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, handeln. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer großen Story und macht sich mit dem gealterten Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entfu?hrten, eine Reise ins Delta des Nigers hinein, ins "Herz der Finsternis", eine apokalyptische Welt. Mit wachsendem Entsetzen nimmt Rufus die Zerstörung der Umwelt wahr, die Eskalation der Gewalt, die Entmenschlichung auf beiden Seiten der Front. "Öl auf Wasser" ist Bildungsroman und Umweltkrimi zugleich, Politthriller und Liebesgeschichte.

Im Perlentaucher: Ströme des Todes

Jede Reportage aus dem Nigerdelta liest man fassungslos. Helon Habila erzählt von dieser Tragödie in einem grandiosen dunkelleuchtenden Roman, der einem schier den Atem raubt. Thekla Dannenberg in Mord und Ratschlag

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2012

Helmut Böttiger lobt an Helon Habilas neuem Roman "Öl auf Wasser" besonders, dass der Autor sich nicht zu vordergründigen moralischen Aussagen habe verleiten lassen; stattdessen erzähle er die Geschichte der zwei Journalisten - des jungen Ich-Erzählers Rufus und des in die Jahregekommen Starreporters Zaq --"jenseits aller Klischees". Rufus und Zaq machen sich auf die Suche nach der entführten Gattin eines Ölmagnaten und geraten dabei mitten in die Auseinandersetzungen zwischen internationalen Konzernen, Rebellen, Regierungssoldaten und den Bewohnern des Flussufers, fasst der Rezensent zusammen. Habila schaffe durch seine präzisen Beschreibungen der zunehmend zerstörten Natur, des brackigen Wassers und der allgegenwärtigen Ölschlieren einen "apokalyptisch anmutenden" Hintergrund, vor dem sich seine Figuren bewegen. Der Autor könne nicht nur schreiben, er habe auch etwas zu erzählen, freut sich Böttiger.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.08.2012

Es ist eine reale Katastrophe, auf der Helon Habilas Politthriller "Öl auf Wasser" basiert, weiß Tobias Gohlis zu berichten: eine von internationalen Großkonzernen verschuldete gigantische Ölpest im Nigerdelta, die nicht nur die gesamte Tierwelt der Region bedroht, sondern auch das Leben von 30 Millionen Menschen. Der Schriftsteller Ken Saro-Wiwa, der diese Missstände in neu neunziger Jahren anprangerte, ist dafür in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und  hingerichtet worden. Eine mutige Entscheidung von Habila also, sich dieses Themas anzunehmen, meint der Rezensent. Doch nicht in Form eines investigativen Reports verarbeite der Autor die politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen, sondern als elegischen Roman. In diesem schickt er zwei Journalisten, den jungen Rufus und die schwerkranke Reporterlegende Zaq, ins Nigerdelta, wo sie sich von der Gesundheit einer entführten Ingenieursgattin überzeugen sollen und in einem Albtraum versinken, erfahren wir. Das Fazit des Rezensenten fällt begeistert aus: "Selten war ein Kriminalroman so poetisch und so notwendig."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2012

Erschüttert und beeindruckt ist Nicole Henneberg von diesem Roman des Nigerianers Helon Habila, der sie direkt in das Nigerdelta führte, das Shell und Co. in eine ölverseuchte Katastrophenlandschaft verwandelt haben. Ganz "unaufgeregt", dafür "psychologisch genau" erzähle Habila von zwei Journalisten, die sich aufmachen, die entführte Frau eines Ölkonzernmanagers zu suchen. Dabei stoßen sie nicht nur auf die verschiedenen Rebellengruppen, sondern auch auf das Militär und religiöse Gruppen, die sich ihren Glauben weder von Kalaschnikows noch von den Ölmillionen nehmen lassen. Ein "spannender Abenteuerroman", findet Henneberg, kunstvoll in Szene gesetzt und klug erzählt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.05.2012

Was in "Öl auf Wasser" wie eine "surreal poetisierte Apokalypse" anmutet, ist in Wirklichkeit der real existierende Alptraum, den der Ölreichtum über Nigeria gebracht hat, stellt Sabine Vogel fest. Mit seinem neuen Roman taucht der nigerianische Schriftsteller Helon Habila tief in diesen Alptraum aus Umweltverschmutzung, Ausbeutung, Korruption, Kriminalität und Gewalt ein. Die Rezensentin ist von diesem "so rasanten wie feingesponnenen Politthriller" gefesselt. Wie sein Protagonist Rufus, der sich in der Hoffnung auf die ganz große Story auf die Suche nach einer entführten Ingenieursgattin macht, hat auch Habila als Journalist gearbeitet, bevor er dazu überging, preisgekrönte Romane zu schreiben, weiß Vogel. "Öl auf Wasser" ist der erste, der auf Deutsch übersetzt wurde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2012

Nie wieder unschuldig tanken? Uwe Stolzmann jedenfalls nimmt den Zapfhahn anders in die Hand, seit er Helon Habilas Öl-Thriller gelesen hat. Der Dreck, die Fäulnis, die Toten, die Gefolterten im nigerianischen Delta von Port Harcourt (das Delta ist der eigentliche Protagonist im Buch, meint Stolzmann) gehen ihm nicht mehr aus dem Sinn. Die Story um eine entführte Ingenieursgattin und einen unerschrockenen Journalisten auf der Suche nach seinem Scoop überzeugt den Rezensenten zunächst durch kühlen Realismus und klaren Aufbau, dann jedoch, unter der Oberfläche, durch eine starke Bildlichkeit, die alles, Figuren, Dialoge, Landschaftsskizzen auflädt mit Bedeutung, einer entsetzlichen.
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