Aus dem Englischen von Miriam Mendelkow. Der berühmte und in seiner Heimat verehrte Musiker Taduno lebt seit drei Monaten im politischen Exil, weil er sich weigert, Loblieder auf das Regime zu singen. Eines Tages erreicht ihn ein Brief von seiner großen Liebe Lela, und was er liest, klingt nicht gut. Voller
Sorge kehrt Taduno in sein von Diktatur und Bürgerkrieg gezeichnetes Land zurück. Erstaunt stellt er fest, dass niemand mehr weiß, wer er ist, dass selbst Nachbarn und Freunde ihn nicht mehr erkennen. Es ist, als hätte er nie existiert. Zudem wurde Lela verschleppt, und als er erfährt, wo sie ist, steht er vor einer schweren Gewissensentscheidung, die ihm das Herz zu zerreißen droht: Um die Frau, die er liebt, zu retten, muss Taduno mit seiner Musik die Regierung preisen - oder sollte er erneut für die Freiheit seines Landes singen und dabei die Liebe opfern?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2017
Hans Christoph Buch stört sich nicht an moralisierender Literatur dieser Sorte. Wenn Odafe Atogun politische Probleme in seiner Heimat Nigeria erzählerisch verhandelt, sieht Buch ihn zudem in guter Gesellschaft, in der von Wole Soyinkas etwa. Was den Roman über den geschilderten Gewissenskonflikt eines Künstlers in der Militärdiktatur hinaus für Buch interessant macht, ist die Spannung bis zum Ende des Textes. Auch wenn der Text ihm so schmucklos wie Brechts "Galilei" erscheint und ebenso wenig interessiert an Lokalkolorit, vermittelt ihm der Autor auch in der künstlichen Verknappung den existentiellen Konflikt des Einzelnen durchaus realistisch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.02.2017
Auf Marie-Sophie Adeoso springt der musikalische Funke nicht über aus Odafe Atoguns Debütroman. Mit einem Musiker, der, um seine Freundin zu retten, in seine nigerianische von einem Despoten regierte Heimat zurückkehrt und sich zwischen politischer Integrität und Liebe entscheiden muss, stellt der Autor laut Adeoso eine Figur ins Zentrum seines Textes, die sich an Fela Kuti orientiert. "Wenn die Musik schweigt, hört man das Lachen des Tyrannen", zitiert die Rezensentin einen Kernsatz über die Kraft der Kunst. Zwar bezieht der Text aus der existentiellen Gewissensfrage durchaus Spannung und Atogun kann mit einfachen Worten eine Fabel mit hoher Symbolkraft erzählen, wie Adeoso einräumt. Der moralisierende Stil und die Tatsache, dass weder die Musik im Buch noch die Figuren bei der Leserin emotionale Spuren hinterlassen, enttäuschen die Rezensentin jedoch. Um die Rebellion auch hören zu können, muss sie schon Kuti auflegen.
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