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Helmut Lethen

Der Schatten des Fotografen

Bilder und ihre Wirklichkeit
Cover: Der Schatten des Fotografen
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783871345869
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Das Foto eines vertrauten Menschen kann uns diesen auf fast magische Weise vergegenwärtigen; die Bilder flüchtender Kinder führen die Schrecken des Krieges geradezu schmerzhaft vor Augen. Wie kommt es, dass Fotos eine so ungeheure Wirkung auf uns haben? Wie viel Wirklichkeit steckt in oder hinter den Bildern? Helmut Lethen geht diesen Fragen auf einem Streifzug durch die Kunst- und Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts nach: Er zeigt uns am Beispiel der berühmten Fotografien Robert Capas von der Landung in der Normandie, wie aus Bildern Geschichtszeichen werden; er folgt gebannt den Performances von Marina Abramovic, in denen Kunst und Wirklichkeit verschmelzen; er vertieft sich in das ironische Zeichenspiel des Konzeptkünstlers Bruce Nauman, das jede Realität verschwinden lässt, er entdeckt in idyllisch anmutenden Bildern jene totale Verlassenheit, die ihn bereits als Kind erschreckte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2014

Die Grenzen der Bilder lernt Bernd Stiegler mit diesem in Leipzig ausgezeichneten Buch von Helmuth Lethen kennen. Was vermögen Bilder, was nicht. Dieser Frage geht der Autor laut Stiegler zusammen mit Texten Kracauers und Barthes' und mit einer Menge ikonografischer Arbeiten des 20 Jahrhunderts von Abramovic bis Nauman nach. Stiegler folgt diesen "Zickzackwegen" als einer Art Bildungsroman und staunt, wenn der Autor mal materialsatt und kenntnisreich, mal essayistisch autobiografisch die Wirklichkeit der Bilder gegen die Bildtheorien in Schutz nimmt und dabei das Reale zum Vorschein kommt. Für Stiegler ergibt das eine Theoriegeschichte der Gegenwart und eine wunderbar abschweifende Reflexion über Fotografie, weniger jedoch die vom Verlag versprochene "Schule des Sehens".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.03.2014

Ein Buch, das den Rezensenten zum Weiter- und Fremdlesen anregt, also ein gutes Buch. Für Dirk Pilz ist das Gute an Helmut Lethen, dass der Theorieprofi sich hier nicht profimäßig dem Thema Bild und Wirklichkeit nähert, sondern quasi sich selbst über die Schulter schauend, tastend, fragend, ganz nah am Alltag, an Fühlen und Denken. Was Lethen beim Lesen, Filmeschauen oder als Besucher von Ausstellungen erlebt, was er sich fragt in Bezug auf die mediale Vermittelbarkeit von Wirklichkeit, daran hat Pilz hier unmittelbar teil. Gerne nicht zuletzt, da der Autor auf jeglichen triumphalistischen Ton verzichtet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2014

Dass Helmuth Lethen in seinem Buch "Der Schatten der Fotografie" untermauert, wie wichtig der Kontext für die Bedeutung von Fotografien ist, hat Eindruck auf Wolfgang Ullrich gemacht. Der Kulturwissenschaftler geht in diesem autobiografisch gefärbten Buch auf die Suche nach der Wirklichkeit hinter den Bildern und konzentriert sich dabei interessanterweise besonders auf Ausstelllungen, wie dem Rezensenten auffällt. Wenn sich Lethen allerdings intensiv mit Ausstellungskatalogen auseinandersetzt, dann würde sich Ullrich etwas mehr Beschäftigung mit den Bildern selbst wünschen. Er stellt überdies einen Hang zur Sentenz bei Lethen fest, was ihm genauso missfällt wie das etwas Beliebige der Episoden, die der Autor hier versammelt. Und so fällt dann am Ende dieser Kritik auch das böse Wort von der "Unterhaltungsprosa für Geisteswissenschaftler", das verrät, dass sich der Rezensent wohl mehr von diesem Band versprochen hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2014

Die Schlussfolgerung von Helmuth Lethens "Der Schatten des Fotografen" ist etwas vorhersehbar, findet Rezensent Ingo Arend: Wenn es eine objektive Wirklichkeit gibt, dann haben wir keinen direkten Zugang zu ihr, sondern immer nur einen mittelbaren, über Medien, wie eben Bilder sie sind, fasst der Rezensent zusammen. Der Weg zu dieser Schlussfolgerung lohnt sich aber unbedingt, meint Arend, denn der Literaturwissenschaftler Lethen schreibt so über Bilder, wie der Rezensent es sich von den Spezialisten, den Bildwissenschaftlern, eigentlich immer gewünscht hatte. Ganz nebenbei gelingt Lethen so etwas wie eine kleine "Schule des Sehens", freut sich Arend. Da verzeiht der Rezensent auch gerne die ausbleibende Offenbarung zum Schluss.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014

Rezensent Fritz Göttler würdigt Helmut Lethens neues Buch "Der Schatten des Fotografen" mit einer gelehrten Besprechung. Der Kritiker erfährt in diesem exzellenten Buch nicht nur viel über die Wirklichkeit beziehungsweise die materielle Konsistenz der Bilder, sondern auch über Lethens eigene Reflektionen beim Betrachten von Bildern im Kino, im Museum oder in der Welt. Interessiert liest Göttler hier die an Siegfried Kracauer geschulten Beobachtungen zur Körperlichkeit der Bilder in der Postmoderne. Ein mit "erinnerungsstarker Offenheit" und "intellektueller Klarheit" geschriebenes Buch, dass dem Leser und Betrachter die Vieldeutigkeit von Bildern auf eindrucksvolle Weise vor Augen führt, urteilt der Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2014

Interessant und weltaufschließend findet Jochen Schimmang die hier versammelten Erzählungen von Helmut Lethen. Wenn Lethen darangeht, Fotos und Filme zu analysieren, auf ihren Wahrheitsgehalt und ihren Verweis auf ihr "eigentliches Wesen" hin, fühlt sich Schimmang an einen Bildungsroman erinnert, so tief steigt der Autor hinab in die (eigene) Vergangenheit. Mehr als ein Bildungsroman ist das Buch dann doch oder wenigstens etwas ganz anderes. Was war am italienischen Neo-Realismo so durchschlagend, was an Capas missbelichtetem Kriegsbild? Solche Fragen erkundet kein Bildungsroman, meint Schimmang, dieser Band aber sehr wohl.
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