Heike Geißler

Rosa

Roman
Cover: Rosa
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2002
ISBN 9783421056054
Gebunden, 216 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Rosa" ist die Geschichte einer Flucht vor dem eigenen Leben, einer Frau, die Mädchen bleiben und noch nicht erwachsen werden will. Sie hat gerade ein Kind geboren, ist ohne das Kind aus dem Krankenhaus weggelaufen und weiß nicht wohin. Ihre Flucht führt sie in mehrere Städte und schließlich nach New York...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2002

Ach, schade, seufzt Tilman Spreckelsen, der weder das Talent der Debütantin, noch die Sogkraft der hier erzählten Geschichte einer Flucht vor dem Erwachsensein infrage stellen will. Bloß die Angst möchte er der Autorin gerne nehmen, die Angst, irgendetwas könnte dem Leser verborgen bleiben. Diese "Überfülle der Worte und Erklärungen" und diesen "sanften Pädagogenton, "der bekannte Klischees ausgiebig referiert". Überflüssig, findet Spreckelsen, den die Geschichte durchaus fesselt, immer dann nämlich, wenn die Sinneseindrücke der Heldin nicht von den Erläuterungen der Autorin durchsetzt sind. Dass sich in diesem Wörtersee dennoch "einzelne gelungene Schilderungen" (Details der Obsessionen und Angstfantasien der Heldin) einprägen, hält der Rezensent gleichfalls für einen Talentbeweis.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.07.2002

Die Geschichte sei kein normaler jugendlicher Selbstfindungstrip, beruhigt Katharina Granzin potentielle Leser. Was die erst 24-jährige Autorin in ihrem Debütroman zu erzählen hat, beschreibt die Rezensentin als "Suche nach dem Ort, wo es besser ist" als "Folge und Ausdruck einer fetten postnatalen Depression". Das Krisenhafte der geschilderten Odyssee der Protagonistin durch fremde Städte und Betten wird für Granzin dadurch ins Unerträgliche gesteigert. Zumal die manchmal "schmerzhaft klaustrophobische Prosa" mit ihrer erlebten Rede und der "unerbittlich durchgehaltenen Figurenperspektive" dem Leser kein Entkommen bietet. Dass der Roman dennoch "nicht wirklich deprimierend", sondern sogar unterhaltend wirkt, wie Granzin versichert, liegt an der durchgehaltenen Balance zwischen Figuren- und Lesersicht. Die Autorin und ihre Heldin geben einem nämlich das Gefühl, "eine zu kennen, die das eigene Leben noch weniger im Griff hat als wir selbst".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2002

Eigentlich recht verheißungsvoll findet Dorothea Dieckmann die Idee und das Konzept hinter diesem Roman von Heike Geißler, die den Alfred-Döblin Förderpreis bekommen hat. Von der Umsetzung ist die Rezensentin jedoch nicht begeistert. Anfangs fühlt sie sich "von der gehetzten Rede in einen Sog hineingezogen", aber schnell wird für sie der "Lektüreprozess zur Enttäuschung". Die Autorin hält ihre "stilistische Radikalität" nach Dieckmanns Meinung nicht lang durch. Bald wirkt ihr Stil manieriert und "die Rede wird immer larmoyanter und therapeutischer". Das Happy End, das unerwartet in die Geschichte einbricht, macht das Ganze in den Augen der Rezensentin nicht sinnhaltiger und bleibt das "willkürliche Ergebnis" einer unausgegorenen Erzählung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.05.2002

Dass dieser Debütroman über eine Lebensflucht bereits den Alfred-Döblin- Förderpreis eingeheimst hat, scheint Ijoma Mangold nur recht zu sein. Die junge Autorin habe einen Ton gefunden, der so beherrscht und so manisch zugleich sei, dass eine atemlose Dramaturgie den Leser von Seite zu Seite weitereilen lasse, schreibt er mehr glücklich als gehetzt. Einen Wunsch aber hat Mangold schon: Die "Kamera", mit der die Erzählerin hier ihre Protagonistin fokussiert und dabei die Nebenfiguren vernachlässigt, diese Perspektive, die, nach dem Namen der Heldin, nichts als "Rosa-Prosa" gebiert - sie möge geweitet werden im nächsten Buch der begabten Autorin, auf dass ein "Gruppenbild" entstehe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.04.2002

Noch vor der Veröffentlichung hatte Heike Geißler für ihr Romandebüt über die 22-jährige Rosa, die sich nach der Geburt eines ungewollten Kindes auf die Flucht vor ihrem Leben nach Berlin und New York begibt und versucht, ihr altes Leben hinter sich zu lassen, den Alfred-Döblin-Förderpreis erhalten, berichtet Elisa Peppel. Der Roman "ist keine leichte Kost" und alles andere als eine "marktgängige, leicht dahingeplauderte Geschichte" über das Erwachsenwerden, meint die Rezensentin, sondern das "Psychogramm einer zunehmenden Verstörung". Die Erzählperspektive sei "klug gewählt", mit "seziermesserscharfem Blick" und "großer Stilsicherheit" beschreibe Geißler die Stimmungen und Spannungen ihrer Protagonistin, lobt Peppel. Mal abgesehen davon, so die Rezensentin, dass Geißler mit dieser Geschichte endlich einen Aspekt der neuen "postmodernen" Generation "überindividualisierter Youngster" thematisiere, der in vielen anderen Generationenporträts leider nicht berücksichtigt werde: So "fröhlich" das "Möglichkeiten-Hopping im Dschungel der Werte und Lebensstile" erscheinen mag, denkt Peppel, so sehr setzt es diese Generation auch unter einen "Entscheidungsdruck", dem viele nicht gewachsen seien.