Eberhard Rathgeb

Kein Paar wie wir

Roman
Cover: Kein Paar wie wir
Carl Hanser Verlag, München 2013
ISBN 9783446241312
Gebunden, 192 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Die ungewöhnliche Geschichte einer lebenslangen Liebe: Die Schwestern Ruth und Vika sind ein unzertrennliches Paar. Sie haben keine Männer, keine Kinder und sie sind glücklich. Vor Hitlers Machtübernahme wandert ihre Familie aus Deutschland nach Argentinien aus. Die Mutter wird depressiv, der Vater bleibt ein Tyrann, der seine Töchter zu Gehorsam erzieht. Erst mit dreißig Jahren rebellieren die beiden und fliehen nach New York, wo sie ihre schönste Zeit verbringen: Hand in Hand spazieren sie durch den Central Park und lassen sich von keinem Mann mehr etwas sagen. Eberhard Rathgebs erster Roman ist ein zutiefst berührendes Buch über Nähe und Liebe, über Treue und Vertrauen, über das Altern und den Abschied.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.06.2013

Einen sehr gelungenen Debütroman hat Eberhard Rathgeb da geschrieben, findet Ulrich Rüdenauer. In "Kein Paar wie wir" erzählt der Autor die Geschichte zweier Schwestern, die sich im Alter aus der Gesellschaft in ihre Zweisamkeit zurückgezogen haben und sich gegenseitig immer wieder und immer weiter die eigene Geschichte erzählen - und rechtfertigen, berichtet der Rezensent. Sie ereifern sich über ihre Eltern, belächeln Frauen, die ihr Glück in den Armen irgendwelcher Männer gesucht haben, wiederholen unermüdlich die Grundlage ihrer Selbstachtung, so sehr, dass Rüdenauer ihnen nicht mehr so recht glauben will. Wenn es notwendig ist, ihre eigenwillige Symbiose durch ungezählte Wiederholungen des immergleichen am Leben zu halten, wie glücklich können diese Menschen wirklich sein?, fragt er sich. "Jetzt ist das Leben vorbei als wäre nichts gewesen", zitiert er eine der beiden. Erfüllung klingt anders, findet der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.06.2013

Hellauf begeistert zeigt sich Ursula März von Eberhard Rathgebs Roman "Kein Paar wie wir". Viel zu gleichförmig und eintönig findet die Rezensentin die literarische Darstellung der Liebe, da ist ihr eine radikale Abweichung der Norm hochwillkommen - vor allem, wenn sie so beiläufig und souverän daherkommt wie die Liebe der Schwestern Ruth und Vika, von der dieses Buch handelt. In "altersgemäß ziemlich redundanter Weise" rekapitulieren die beiden als alte Damen ihre Lebensgeschichte, wobei der Autor die Würde seiner Erzählerinnen bei aller Schrulligkeit nie antastet, wie März hervorhebt. In den Erinnerungen der beiden Damen und ihrem unkonventionellen Paarglück vermittelt sich der Rezensentin "eine gute Dosis Lebensheiterkeit".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2013

Wiebke Porombka hat in Eberhard Rathgebs Romandebüt "Kein Paar wie wir" die ganze Zeit mit einem Bruch gerechnet, mit einem Ausbrechen der Figuren aus ihrem verschworenen Bericht. Zwei Schwestern, inzwischen alt geworden, erzählen in einem offenbar bereits hundertfach vorgetragenen Dialog von ihrem gemeinsamen Leben. Rathgeb könnte die schwesterliche Zweierbeziehung als Glücksverheißung oder Horrorszenario verhandeln, ganz sicher ist sich die Rezensentin da nicht. Die Schwestern Ruth und Vika sind eine Art Symbiose eingegangen, eine jede füllt die Leerstellen der Anderen, "wie zwei Puzzlestücke", erklärt Porombka. Das Leben, das sie schildern, klingt für die Rezensentin verdächtig nach Askese: Verzicht auf Liebesbeziehungen, auf Kinder, auf Alkohol und Rausch, auf Zerstreuung allgemein. Nur versuchen die Figuren nach Leibeskräften ihr Lebensmodell als Triumph zu präsentieren und zelebrieren das "vermeintliche Glück ihrer Zweisamkeit". Hin und wieder gelingt es ihnen sogar, Porombka vergessen zu machen, dass sie eigentlich einen Betrug zu wittern meinte, und für Momente sieht sie wirklich zwei glückliche Menschen vor sich.