Claire Messud

Des Kaisers Kinder

Roman
Cover: Des Kaisers Kinder
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2007
ISBN 9783421042040
Gebunden, 542 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sabine Hübner. Große Ziele hatten sich die drei Freunde aus wohlsituierten Verhältnissen für ihr Leben gesetzt. Jetzt, im Jahr 2001, sind sie um die dreißig, leben in New York und müssen feststellen, dass sie ihren Erwartungen nicht gerecht geworden sind. Marina ist ohne festen Job und wieder in ihr altes Kinderzimmer in der Upper West Side gezogen. Ihr Vater Murray, ein erfolgreicher und berühmter Journalist, dominiert das gesamte Umfeld seiner Tochter. Marinas Freundin Danielle hat zwar eine feste Stelle bei einer TV-Anstalt, kann sich aber mit dem niveaulosen Programm ihres Senders nicht identifizieren. Und Julius versucht, seinen aufwändigen Lebensstil mit dem Schreiben von Literaturkritiken zu finanzieren. Dann taucht Marinas Cousin Bootie auf, ein Studienabbrecher und Günstling Murrays, und begeht eine Tat, welche die drei Freunde dazu bringt, ihr Leben zu ändern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2008

Sichtlich beeindruckt zeigt sich Rezensent Thomas David von Claire Messuds Roman "Des Kaisers Kinder". Die verwickelte Geschichte um den berühmten New Yorker Intellektuellen Murry Thwaite, seine Tochter Marina, seinen Neffen Bootie, der einen gravierenden Makel in der Biografie seines scheinbar integren Onkels entdeckt, und den charismatischen Ludovic Seeley, der eine neue Zeitschrift gründen will, um die Heuchelei des Establishments zu demaskieren, wird in Davids Besprechung nicht so recht greifbar. Aber er betont, selten einen Roman gelesen zu haben, der den amerikanischen Traum auf ähnlich "erbarmungslose", zugleich aber "elegante" und letztlich "ironische" Weise zerlegt. Die Figuren hält er für sorgfältig entwickelt, mehrdimensional angelegt und gekonnt ineinander gespiegelt. Bemerkenswert scheint ihm zudem, wie sich die zwiespältige Faszination, die das geschäftige Manhatten auf den zugezogenen, um Autonomie und geistige Erneuerung ringenden Bootie ausübt, auf den Leser überträgt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.01.2008

Äußerst angetan scheint Rezensent Georg Diez von diesem Buch über das New York der Wende zum 21. Jahrhundert zu sein, das für ihn so abrupt mit dem 11. September 2001 begonnen hat, und welches er auch als "Nachruf auf eine Stadt" und ihren "grenzenlosen Glauben an die eignen Möglichkeiten" gelesen hat. Claire Messuds "beiläufige" Beschreibung der selbstbewussten Nachlässigkeit der ihren Roman bevölkernden "Bewohner des Fin de Siecle" jedenfalls inspiriert ihn zu ausholenden Überlegungen über die Zukunft des Westens und der Stadt, die im 20. Jahrhundert für ihn die Hauptstadt der freien Welt gewesen ist. Es geht, lesen wir, um einen einst mächtigen Journalisten und seine Trabanten, jene titelgebenden Kinder des Kaisers: Eine Tochter, ein Neffe und ihr Leben im "kritisch-hedonistischen Milieu der postmodern geimpften Teilzeitneurotiker". Gerade weil man das Ende kenne, erzeuge die "sorgfältige Inszenierung des scheinbar allzu Bekannten" in den Monaten März bis September 2001 beim Lesen einen wohligen Sog, gibt Diez zu Protokoll, der in diesem Widerspruch die ganze Spannung des lakonisch verfassten Buches wurzeln sieht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.01.2008

Gemischte Gefühle hatte Rezensentin Lavinia Meier-Ewert bei der Lektüre dieses Romans, der einerseits - schreibt sie - in unterhaltsamem Ton recht gekonnt Lebensbilder und Perspektiven von drei desillusionierten New Yorker Thirtysomethings ineinander verwebt. Anderseits dann aber nicht so recht Gestalt oder gar Form und Gehalt annehmen will. Zwar stürzen den Informationen der Rezensentin zufolge irgendwann (genauer, im achtundfünfzigsten von siebenundsechzig Kapiteln) sogar die Türme des World-Trade-Centers in die Biografien der drei. Doch das hat zum Bedauern der Rezensentin weder bei den Figuren des Romans noch bei der Autorin zu irgendwelchen Reflexionen geführt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2007

Leider keine Medien-, sondern eine Realsatire ist Claire Messuds Roman um eine Gruppe junger Kulturjournalisten aus Sicht des Rezensenten Jean-Michel Berg. Claire Messud erzählt von der New Yorker "Chattering Class", jungen Menschen, die stets Großes anstreben, ohne zu wissen, was dieses Große sein soll. Zum Plot verrät der Rezensent nur soviel: Der junge Journalist Ludovic Seeley kommt nach New York, um den Star-Journalisten Thwaite abzusägen, gründet eine neue Zeitung, heiratet die Tochter des Feindes und macht sie zur Redakteurin seiner Zeitschrift, deren Erscheinen jedoch durch den 11. September in letzter Minute vereitelt wird. Selten hat der Rezensent einen Roman so voller "uninteressanter, ja dummer Menschen" gelesen, was an sich ja nicht schlimm sei, nur brauche echte Ironie eine reflektierte und distanzierte Ebene, die Messud, immer zu nah an den Protagonisten, nicht biete. Schade, findet der Rezensent, denn Potential hätte die Story schon gehabt. Doch als "schrille Mediensatire, nicht feinmaschiger konstruiert als ein Groschenroman" kann der Roman nicht mit den von begeisterten Kritikern bereits zum Vergleich angeführten literarischen Größen wie Flaubert mithalten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Als ein sehr vergnüglich zu lesendes Buch mit "ernster" Intention lobt Rezensentin Stefana Sabin diesen Roman über drei Menschen um die 30, die sowohl beruflich als auch was die Liebe angeht mit ihrem Leben unzufrieden sind. Autorin Claire Messud erzähle von einer Filmemacherin, einem Rezensenten und einer Journalistin, die um die Zeit vor und nach dem Anschlag vom 11. September in New York danach trachten, ihrem Leben mehr Sinn zu verleihen, die wahre Liebe zu finden und eine echte, ethisch zu rechtfertigende Aufgabe zu finden. Sehr gelungen findet die Rezensentin, dass die Autorin aus wechselnden Perspektiven erzählt und somit sowohl die Geschichte der Freundschaft zwischen den drei Protagonisten festhält als auch die Geschichte der Figuren selbst. Mit sanfter Ironie und psychologisch sehr überzeugend zeichnet Messud das Bild der New Yorker "Kulturschickeria" und zeigt ihre Protagonisten zwischen Selbsttäuschung und Erwachsenwerden, zwischen "Wahrheit" und "medialem Reflex", lobt die Rezensentin.