Theodosius der Große wurde lange als ein Herrscher betrachtet, der mit klaren politischen Vorstellungen eine katholische Staatskirche etablierte. Dieses Bild hat jedoch in jüngster Zeit Risse bekommen: Die Widersprüche seiner Politik, die Grenzen seiner Wirkungsmöglichkeiten und seine integrativen Absichten treten stärker in den Vordergrund. Auf der Basis jüngster theologischer und historischer Erkenntnisse zeigt Hartmut Leppin in seiner Biografie Theodosius als einen Kaiser, dessen Politik in einem hohen Maße von Sachzwängen bestimmt war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2003
Mit dem Frankfurter Althistoriker Hartmut Leppin hat der "milde Kaiser" Theodosius der Große den idealen Biografen gefunden, schreibt Karl Christ in seiner lobenden Besprechung. Der Autor ist für die "Meisterung" der sich stellenden Schwierigkeiten, mit denen sich der moderne Theodosius-Biograf konfrontiert sehe, in "ungewöhnlicher Weise disponiert", versichert uns der Rezensent, habe sich Leppin doch bereits durch zahlreiche Arbeiten zur Geistes- und Religionsgeschichte der Spätantike ausgewiesen. Seine neue Arbeit zeichne sich durch ihre "kritischen Wertungen" ebenso wie durch die "Übersetzungen grundlegender Texte und die Interpretation repräsentativer Kunstwerke" aus. Gefallen hat Karl Christ, wie der Verfasser es verstanden hat, Theodosius' Leben und Regieren in seinen einzelnen Phasen zu beschreiben, ohne darüber zu vergessen, dem Ganzen eine grundlegende Einführung in das "spätantike römische 'Reich der Vielfalt'" vorauszuschicken. Auch die Quellen sieht er ausreichend berücksichtigt; allein die ein oder andere moderne Beurteilung der Kollegen sei etwas zu kurz gekommen.
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