Aloys Winterling

Caligula

Eine Biografie
Cover: Caligula
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406502064
Gebunden, 206 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Kein anderer römischer Kaiser scheint wie Caligula (37 - 41 n.Chr.) von einer Aura des Wahnsinns umgeben. Darf man den Quellen vertrauen, so trieb er Inzest mit seinen Schwestern, richtete ein Bordell auf dem Palatin ein, wollte sein Pferd zum Konsul machen und plante den Herrschaftssitz von Rom nach Alexandria zu verlegen. Er demütigte die römischen Senatoren, verfolgte sie grausam und ohne Anlass, und schließlich verstieg er sich dazu, sich als Gott verehren zu lassen. Der Althistoriker Aloys Winterling entwirft hier ein faszinierendes Portrait des römischen Kaisers Caligula. Der Mythos vom wahnsinnigen Kaiser verschwindet zugunsten historischer Klarheit. Caligulas Politik gewinnt scharfe Konturen und eine eindeutige Zielrichtung - die Durchsetzung einer offenen Alleinherrschaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003

Karl Christ zeigt sich in seiner Besprechung dieser Biografie des dritten römischen Kaisers durchweg begeistert. Dabei lobt er nicht nur das "hohe intellektuelle Niveau" der Darstellung des Lebens von Caligula, sondern ist auch mit der Flüssigkeit des Stils und der "inneren Geschlossenheit" der Biografie sehr zufrieden. Ziel der Lebensbeschreibung, meint Christ, ist die Revidierung der allgemein herrschenden Vorstellung, Caligulas Handeln sei vor allem von Wahnsinn bestimmt gewesen. Sowohl die "akribischen Quellenkritik" als auch das Bemühen, für die Entscheidungen des Kaisers "rationale Motive und Absichten" zu finden, beeindrucken den Rezensenten, wenn ihm die Erklärungen auch mitunter etwas zu weit gehen oder doch zumindest "problematisch" erscheinen. Insgesamt jedoch findet Christ diese Biografie außerordentlich gelungen, wobei ihn besonders die Darstellung der Senatsaristokratie mit ihren Intrigen beeindruckt hat. Selten, so der Rezensent begeistert, ist dieser politische und menschliche Mikrokosmos aus der unmittelbaren Umgebung von Caligula so "eindrucksvoll geschildert" worden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

Der römische Kaiser Caligula war ein brutaler Tyrann, darüber herrschte immer Einigkeit. Das große Verdienst von Aloys Winterlings Biografie besteht nun nach Ansicht von Stefan Rebenich darin, den Despotismus Caligulas als motiviert darzustellen; in der antiken und bis heute wirksamen Lesart galt er nämlich schlichtweg als degenerierter Sadist und Geisteskranker. Winterlings "brillantes Porträt" zeige dagegen, dass der herrschsüchtige Kaiser, nicht zufrieden damit, "der Erste unter Gleichrangigen" zu sein, gezielt die Vormacht der Senatoren brach und seine Exzesse deren Demütigung dienten: "Aus dem vermeintlich verrückten Ungeheuer wird ein rational handelnder Zyniker der Macht." Damit biete das Buch nicht nur "eine faszinierende Analyse der Sozialgeschichte und Herrschaftspraxis in den ersten Jahrzehnten der römischen Kaiserzeit", sondern auch "eine spannende Lektion in althistorischer Quellenkritik".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2003

Uwe Walter ist begeistert von diesem "analytisch glasklaren" Buch. Seine Lektüre sei "ein reines intellektuelles Vergnügen". Und auch das zentrale neue Ergebnis des Buches hat den Rezensenten überzeugt. Von dem Bild Caligulas als eines "irrationalen Monsters" mit "pathologischem Caesarenwahn", das die interessierte Nachwelt sich von diesem römischen Kaiser gemacht habe -- nach Winterlings "subtiler und vor allem konstruktiver Quellenkritik" bleibe von all dem "nichts übrig". Zugleich werde die Epoche der römischen Kaiser dadurch nicht rosiger: "Die Monstrosität war viel schlimmer, weil sie im System steckte und nur von außerordentlich begabten Akteuren und unter sehr günstigen Umständen neutralisiert werden konnte." Winterling habe, lobt Walter, die "systemimmanente Doppelbödigkeit, ja Paradoxie" der von Augustus stammenden Konstruktion des römischen Kaisertums offengelegt: "Die Senatoren hatten so zu handeln, als besäßen sie eine Macht, die sie in Wirklichkeit nicht hatten, der Kaiser musste so mit ihnen umgehen, als stünden sie grundsätzlich auf gleicher Augenhöhe mit ihm." Das "Unerhörte", was Caligula von allen anderen Kaisern unterschied, wäre, so fasst der Rezensent Winterlings Darstellung zusammen, dann allein darin zu sehen, dass er dieses Paradox in einer Krisensituation offengelegt habe. Und "usurpiert" der allmächtige Kaiser die Rolle des Hofnarren, schließt Walter seine Rezension, "wird es für alle Beteiligten hochgradig gefährlich."
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