Geologen konnten vor einigen Jahren mit einer sensationellen Entdeckung aufwarten: Das Schwarze Meer war lange Zeit ein vom Mittelmeer völlig getrennter, tiefer liegender Süßwassersee. Der Durchbruch des Mittelmeers durch die Landbrücke um 6800 v.Chr. war eine Naturkatastrophe mit kaum vorstellbaren Ausmaßen. Jahrelang ergoss sich ein tosender Wasserfall in das Schwarze Meer und überschwemmte große, teilweise besiedelte Gebiete. Harald Haarmann beschreibt auf der Grundlage der neuesten Erkenntnisse Ursachen und Verlauf dieser Sintflut. Von hier aus geht er den Folgen der Flut für die Kulturentwicklung in der südlichen Schwarzmeerregion nach. Er stößt dabei auf die Spuren einer der ältesten Hochkulturen und verfolgt anhand archäologischer Funde, vor allem aber anhand der Schrift- und Sprachgeschichte deren Ausstrahlung bis hin nach Mesopotamien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.09.2003
Rezensent Joachim Radkau zeigt sich wenig begeistert von Harald Haarmanns "Geschichte der Sintflut". Schon der Titel, tadelt er, ist irreführend, schließlich sei von der großen Flut nur auf knapp 10 Seiten die Rede. Auch habe Haarmann nichts eigenes zu diesem Thema zu sagen. Gewiss, die von Haarmann referierte Hypothese der amerikanischen Geologen William Ryan und Walter Pitman über den plötzlichen Einbruch des Mittelmeers ins Schwarze Meer um 6700 vor Christus findet Radkau höchst interessant. Zu seinem Bedauern erfährt man bei Haarmann allerdings kaum mehr darüber. Was hat der Autor stattdessen zu bieten? Ein "buntes Potpourri teils anregender, teils banaler und fragwürdiger Informationen und Betrachtungen zu zahlreichen populären Standardthemen der Vor- und Frühgeschichte". Das Ganze serviert er zum Ärger des Rezensenten auch noch auf eine "gedanklich oft nicht nachvollziehbare Weise". Damit nicht genug: am meisten stört Radkau der apodiktische Tonfall Haarmanns, der immer wieder zu vergessen scheint, dass sich bei den meisten Thesen zu dieser Thematik um Hypothesen handelt. "Naturkatastrophen sind die neueste Mode in der Umweltgeschichte", stellt der Rezensent schließlich fest. Auf diesen Zug, so sein Vorwurf an Haarmann, wolle er mit seinem Buch aufspringen.
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