Israel Finkelstein

Das vergessene Königreich

Israel und die verborgenen Ursprünge der Bibel
Cover: Das vergessene Königreich
C. H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406669606
Gebunden, 234 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Rita Seuss. Israel Finkelstein beschreibt in seinem Buch die Geschichte des Königreichs Israel konsequent aus archäologischer Sicht. In diesem vom 10. bis zum 8. Jahrhundert v. Chr. bestehenden, von der Bibel als sündig verworfenen und von der Forschung vergessenen Reich findet er die wahren Ursprünge von zentralen biblischen Erzählungen. Für die Bibel waren die Könige von Israel treulose Sünder im Gegensatz zu den Königen von Juda. Das hat dazu geführt, dass man vom Königreich Israel über die biblische Sicht hinaus wenig weiß. Israel Finkelstein rekonstruiert auf der Grundlage von jahrzehntelangen Ausgrabungen erstmals dessen wahre Geschichte. Dabei zeigt sich das überraschende Bild eines altorientalischen Reiches, das viel weiter entwickelt war als das südlich angrenzende Königreich Juda mit seiner Hauptstadt Jerusalem. Hier, in Israel, standen in Wirklichkeit der Palast und der Tempel, die später den legendären Königen David und Salomo zugeschrieben wurden. Hier entstanden so zentrale Erzählungen wie die vom Stammvater Jakob oder vom Auszug aus Ägypten. Dass dieses Königreich erobert, verworfen und vergessen wurde, aber sein Name und seine Mythen schließlich um die Welt gingen, ist das eigentliche Wunder, das Israel Finkelstein erklärt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2014

Ulf von Rauchhaupt ziegt sich enttäuscht vom neuen Buch des Archäologen Israel Finkelstein. Dessen These von der Nichtexistenz des Königreichs Davids und Salomos kennt er schon. Was der Autor ihr hier nun hinzufügt, weckt zwar Rauchhaupts Interesse, schnell merkt der Rezensent jedoch, dass die Eisenzeit Israels, um die es geht, ein schwieriger Fall ist und der Autor nicht sonderlich viel unternimmt, sie dem Leser zu ergründen noch eine überzeugende Methodik zu entwickeln, die Historie von Fiktion scheidet. Stattdessen hat der Rezensent den Eindruck, der Autor habe seine Textauswahl im Sinne seiner Interpretation getroffen. Dass Finkelstein auf dünnen Eis wandelt, erkennt Rauchhaupt auch an seiner verknappten Chronologie der Eisenzeit. Die jedoch sei keineswegs Forscherkonsens, meint er, und im Buch wenig überzeugend dargelegt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2014

Ein Buch für die Liebhaber der nahöstlichen Unübersichtlichkeit: Wenn Joseph Croitoru das Buch des israelischen Archäologen Israel Finkelstein bespricht, dürften Altertumsforscher, Bibelkundler und Generalstabschefs auf ihre Kosten kommen. Der Laie jedoch behält nicht leicht den Überblick. Croitoru durchquert im Schweinsgalopp die Geschichte des einstigen Königreichs Israel und lässt dabei auch gleich noch Kanaan, Juda, Untergaliläa oder das nördliche Samaria auf- und niedergehen, von den Auseinandersetzungen mit Assyrern, Hethitern und Damaszenen ganz zu schweigen. Deutlich wird jedoch, dass der Rezensent nicht ganz überzeugt ist von Finkelsteins Theorien in Bezug auf das alte Königreich, die sich in seinen Augen weniger auf Tatsachen als auf das Buch Samuel stützen.