Hans Melderis

Raum - Zeit - Mythos

Richard Wagner und die modernen Naturwissenschaften. Mit CD
Cover: Raum - Zeit - Mythos
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2001
ISBN 9783434504870
Gebunden, 228 Seiten, 21,47 EUR

Klappentext

Raum und Zeit ? "ein verfluchtes Thema" hat es Richard Wagner genannt. Im "Ring" verbindet er es dann mit einem Weltschöpfungsmythos, im "Parsifal" mit einem Welterlösungsmythos. Auch für die moderne Naturwissenschaft war es ein "verfluchtes Thema", bis Albert Einstein es in einem kühnen Gedankenansatz erlöste. Vorher war alles einfach gewesen: den Erkenntnissen der Physiker und der Philosophen zufolge war die Welt ein Uhrwerk, das Gott aufgezogen hatte und dessen harmonische Mechanik der Mensch erkennen und beschreiben durfte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein Wandel: das vermeintlich feste Gefüge wurde aufgebrochen, zuerst in der Literatur, dann in der Physik. Wagner griff das Thema auf und ging im "Parsifal" so weit, eine Verwandlung von Zeit in Raum vorzustellen. Damit nimmt die Kunst Erkenntnisse der modernen Physik auf erstaunliche Weise vorweg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2002

Besonders zufrieden ist Rezensent Jürgen Kesting nicht mit Hans Melderis Abhandlung über "die Parallelen zwischen Richard Wagners mythischer Weltschöpfung und naturwissenschaftlicher Weltdeutungen" - obwohl er viele Beispiele für Melderis These in seine Rezension einbaut und der Analyse des Autoren auch an keiner Stelle wirklich widerspricht . Auch ist sein Unbehagen nicht darin begründet, dass der Autor nicht genug Belege liefert für Wagners naturwissenschaftlichen Weitblick. Das Problem ist Kestings Meinung nach vielmehr eine Überfrachtung mit wissenschaftlichen Details, die "naturwissenschaftliche Laien oft auf eine harte Probe" stellen und den Text zu " einer Wissensbühne für Kurzauftritte von Plato bis Hawking" machen. Zu kurz kommt dagegen eine Analyse von Wagners musikalischem Werk, so lautet die Kritik des Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2001

Für den entscheidenden Fehler des Buches hält Konrad Lischka das sprichwörtliche "Zuviel des Guten". In diesem Fall ist es der unbedingte Wille des Autors, "wirklich jeden von seiner Herangehensweise an Wagners Werk zu überzeugen", der über das Ziel hinausschießt. Den aufgeschlossenen Leser, so Lischka, verprelle so etwas, zumal die Furcht des Autors vor "uninspirierten Denkern" und die ständige Vereinfachung manchmal schlicht zu unpräzisen Gedanken führe. Vor allem aber: Der Autor hat es gar nicht nötig. Die im Buch ausgebreiteten Gedanken sieht der Rezensent, der sich damit dezent auf die Seite der inspirierten Leser schlägt, als "eine völlig neue Möglichkeit des Betrachtens von Musik und Wissenschaft." Zusammen mit dem Autor schwelgt er fortan im Dreiklang des Rheingold-Vorspiels als einer Konstituente von Zeit und "eines Zusammenhangs zwischen den Dingen und der Raumzeit ähnlich dem der Relativitätstheorie."
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