Hans-Martin Gauger

Das Feuchte und das Schmutzige

Kleine Linguistik der vulgären Sprache
Cover: Das Feuchte und das Schmutzige
C.H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406629891
Gebunden, 283 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Es geht in diesem Buch um Sexualität im Sprachvergleich, genauer: um Sexuelles und Fäkalisches beim groben Sprechen. Wenn wir Deutschen schimpfen, beleidigen, fluchen und überhaupt vulgär werden, verwenden wir normalerweise Ausdrücke, die sich auf Exkrementelles beziehen, während unsere Nachbarsprachen zu diesem Zweck fast immer ins Sexuelle gehen. Gibt es Gründe für diesen deutschen Sonderweg? Anhand einer überwältigenden Fülle an Beispielen aus über einem Dutzend Sprachen widmet sich Hans-Martin Gauger dem Thema mit Witz und Scharfsinn. Der Leser wird gut unterhalten, erfährt viel Wissenswertes über Europas Sprachen - und darüber, wie man sprachlich korrekt plurilingual beleidigt und flucht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.10.2012

Lobend hat Mark-Georg Dehrmann diese Untersuchung der vulgären Sprache des renommierten Linguisten Hans-Martin Gauger aufgenommen. Er findet in dem Buch eine Fülle von Material aus den verschiedensten Sprachen zum Thema Beleidigungen, Kraftausdrücke und Flüche. Aufschlussreich scheint ihm die von Gauger herausgearbeitete Differenz zwischen dem Deutschen einerseits und dem Englischen und den romanischen Sprachen andererseits im Blick auf das Beschimpfen und Beleidigen: im Deutschen dominieren Fäkalausdrücke, in den anderen genannten Sprachen sexuelle Termini. Dehrmann attestiert dem Autor, diese Beobachtung durch zahlreiche Belege, literarische Zitate und Anekdoten zu veranschaulichen und dann im weiteren Verlauf der Untersuchung wieder ein Stück weit zu relativieren. Dass Gauger eine Reihe von Erklärungsversuchen für dieses Phänomen diskutiert, aber am Ende darauf verzichtet, eine Erklärung für den deutschen Sonderweg beim Fluchen zu geben, mag enttäuschend wirken, spricht nach Ansicht des Rezensenten aber letztlich für die "vorbildliche" wissenschaftliche Haltung des Autors.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Toll, was sich mit diesem Buch so alles lernen lässt. Wer um ein Schimpfwort verlegen ist, ob hierzulande oder als Tourist im europäischen Ausland, wird hier fündig. Diese Zielgruppe aber hat Rezensent Wolfgang Krischke natürlich nicht auf dem Zettel und auch nicht der Autor Hans-Martin Gauger, Romanist von Beruf und in diesem Buch, wie der Rezensent lobend feststellt, "anspruchsvoll popularisierend" auf der Suche nach den nationalen Unterschieden beim Fluchen. Haupterkenntnis des Ganzen, Krischke teilt es uns mit, ist der Umstand, dass bei uns eher mit Fäkalien um sich geschmissen wird, metaphorisch versteht sich, während andernorts eher sexuelle Metaphern Verwendung finden. Warum das so ist, erklärt der Autor jedoch nicht. Krischke stört sich nicht daran, hat er doch seine eigene Theorie, die auf die ursprüngliche Bedeutung des Deutschen als "deutliche" Sprache rekurriert. Deutlich sei nur das Fluchen mit negativer Konnotation. Das Sexuelle dagegen sei ursprünglich ja positiv besetzt, meint Krischke, und nur in seiner Instrumentalisierung zum Fluch negativ gewendet, also eher undeutlich.

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