Guy Deutscher

Im Spiegel der Sprache

Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht
Cover: Im Spiegel der Sprache
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406606892
Gebunden, 320 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Das neue Buch des Linguisten Guy Deutscher ist eine Tour durch Länder, Zeiten und Sprachen. Auf seiner Reise zu den aktuellsten Ergebnissen der Sprachforschung geht Guy Deutscher mit Captain Cook auf Känguruh-Jagd, prüft mit William Gladstone die vermeintliche Farb-blindheit der Griechen zur Zeit Homers und verfolgt Rudolf Virchow in Carl Hagenbecks Zoo auf dem Kurfürstendamm im Berlin des 19. Jahrhunderts. Mitreisende werden nicht nur mit einer unterhaltsamen Übersicht der Sprachforschung, mit humorvollen Highlights, unerwarteten Wendungen und klugen Antworten belohnt. Sie vermeiden auch einen Kardinalfehler, dem Philologen, Anthropologen und - wer hätte das gedacht - auch Naturwissenschaftler allzu lange aufgesessen sind: die Macht der Kultur zu unterschätzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.11.2010

Inspirierend fand Stefana Sabin Guy Deutschers Untersuchung der Frage, inwieweit das Sprachvermögen des Menschen genetisch begründet ist und ob die Sprache die Weltwahrnehmung prägt oder umgekehrt. Überzeugender als den ersten Teil fand die Rezensentin Guys Argumentation, dass "Sprache die Weltsicht der Sprachgemeinschaft" konserviert im zweiten Teil seines Buches. Insgesamt kann Sabin feststellen, dass der israelisch-englische Linguist sich in seinem Werk nicht gegen die herrschenden Theorien der Linguistik wendet, sondern hier seine "eigene Beschreibung des Verhältnisses von Sprache und Welt" bietet. Manchmal wird Sabin ein bisschen zu viel spekuliert, sie folgt auch nicht jeder Abschweifung des Autors mit der gleichen Begeisterung und zeigt sich zudem wenig angetan von der Übersetzung ins Deutsche, die ihrer Ansicht nach nicht den rechten Ton trifft. Trotzdem lobt sie Guys Buch als "anregend".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010

Sehr gefesselt ist Jürgen Trabant den Ausführungen von Guy Deutscher zu der Frage gefolgt, ob verschiedene Sprachen eine unterschiedliche Weltsicht zur Folge haben und inwieweit sie das Denken und Verhalten der Menschen determinieren. Insgesamt lobt Trabant die Studie - immerhin im Aufmacher der Literaturbeilage - als kurzweilig zu lesen, geistreich und vor allem sehr packend. Zunächst empfindet er es dabei als besonderen Clou, dass der englische Autor, ausgehend von dem Gedanken Wilhelm von Humboldts, dass jede Sprache den Vorstellungen eine "gewisse Farbe" verleiht, im ersten Teil seines Buches die "spannende Geschichte" rekapituliert, wie man über den Zusammenhang zwischen Sprache, Wahrnehmung der Farben und Evolution nachgedacht hat. Im zweiten Teil greife der Autor dann die Frage auf, ob Sprachstrukturen nicht doch das Denken beeinflussen, und hier hat der Rezensent viele faszinierende Beispiele gefunden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

Die wohl stärkste These zum Verhältnis von Sprache und Weltbild haben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Forscher Sapir und Whorff aufgestellt. Ihre Behauptung, dass unterschiedliche Sprachen auch unüberwindbare Unterschiede bedeuten, dass die Grenzen der Sprache auch Grenzen des Denkbaren setzen, gilt heute als nicht mehr haltbar. Wie viel oder wie wenig wirklich daran ist, das erfährt man nun aber aus diesem Buch des Linguisten Guy Deutscher. Sehr wohl nämlich gibt es Sprachen, die der Sprecherin und dem Sprecher zum Beispiel eine völlig andere räumliche Orientierung ermöglichen. Der peruanische Regenwaldstamm der Matses etwa denke nie vom Individuum, sondern immer von der Himmelsrichtung aus. Überaus faszinierend findet der Rezensent Helmut Mayer Beispiele wie dieses. Dass der Autor ein "exzellenter Erzähler" ist, macht für ihn den Band dann zum reinen Vergnügen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.09.2010

Mit großem Vergnügen hat Ulrich Greiner diese Abhandlung Guy Deutschers gelesen, dem er bescheinigen kann, nicht nur für einen Linguisten ungeheuer unterhaltsam und kurzweilig zu schreiben. Deutscher untersucht, wie Sprache und Wahrnehmung sich gegenseitig beeinflussen, und Greiner hat in diesem Buch einige bemerkenswerte Beobachtungen gefunden. Greiner führt eine Reihe von sprachlichen Eigenheiten auf, etwa die deutsche Präzision oder grammatische Geschlechter. Interessant fand er auch das Beispiel der australischen Aborigines der Guugu Yimithirr, die nicht sagen können, dass jemand links oder rechts von ihnen steht, er steht östlich oder westlich, aber dafür verfügen sie über einen unschlagbaren Orientierungssinn. Gern gewusst hätten wir jetzt aber, welchen Unterschied es denn nun macht, ob eine männliche oder weibliche Sonne auf uns niederscheint.
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