Das Kuratorische bezeichnet ein Handlungsfeld, das auf das Öffentlich-Werden von Kunst und Kultur bezogen ist. Trotz der wachsenden Bedeutung, die es in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, steht eine Definition der strukturellen Bedingungen, die seinen besonderen gesellschaftlichen Stellenwert begründen, bislang aus. Ausgehend von den Begriffen "Konstellation", "Transposition" und "Gastfreundschaft" beschreibt Beatrice von Bismarck das Kuratorische als einen Praxis- und Sinnzusammenhang mit eigenen Strukturen, Bedingungen, Regeln und Verfahren. Der Fokus ihres Textes liegt dabei auf den Verhältnissen, die das Kuratorische herstellt und die es zugleich konstituieren. Mit Blick auf das dynamische Beziehungsgeflecht menschlicher und nicht-menschlicher Mitwirkender nimmt der Band einen Perspektivwechsel innerhalb des aktuellen Diskurses vor: Anstatt das Präsentationsformat der Ausstellung, die Subjektivierungsform der Kuratorin / des Kurators oder die Tätigkeit des Kuratierens in den Vordergrund zu stellen, steht in Abgrenzung zu solchen partikularen Definitionen deren Zusammenspiel im Kuratorischen im Mittelpunkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2021
Rezensentin Beate Söntgen erfährt aus der Studie von Beatrice von Bismarck, wie sich der Ausstellungsbetrieb und die Vorstellung von den Aufgaben des Kurators gewandelt haben. Dass die Autorin den Begriff des Kuratorischen durch den Begriff des "Kuratorialen" ersetzt, leuchtet Söntgen ein, wenn Bismarck das Beziehungsgefüge zwischen Künstler, Kurator, Werk etc. analysiert. Kulturtheoretisch aufschlussreich erkundet die Autorin laut Söntgen ferner Begriffe aus dem Ausstellungskontext, wie Konstellation, Transposition und Gastfreundschaft. Leider fehlt im Buch die Rückbindung des Konzepts des Kuratorialen an die konkrete Ausstellungspraxis, bedauert Söntgen.
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