Aus dem Dänischen von Heinrich Denhardt. Von Andersens Romanen hat Theodor Storm gesagt, sie seien "unmittelbar aus dem Leben und Wesen des Verfassers herausgewachsen; es ist, als würde einem alles in der Dämmerung am Ofenfeuer mit halber Stimme erzählt." Das faszinierende Romanexperiment "O.T." ließ er sich noch auf dem Sterbebett von seiner Tochter vorlesen. Diese packende und immer wieder ergreifende Geschichte eines von Geburt an Stigmatisierten ist zugleich die Geschichte eines Zeitalters: Nicht nur zwischen aufgeklärter Weltläufigkeit und feindseligem Nationalismus fühlt sich der Held hin- und hergerissen, sondern auch zwischen den Klassen und erst recht zwischen den Geschlechtern. So erzählt diese Geschichte auch vom Ende romantischer Leidenschaften und Lebensentwürfe und vom desillusionierten Erwachen in einer neuen, 'realistischen' Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2019
Obwohl Rezensent Tilman Spreckelsen findet, dass am Ende dieses Romans alle Probleme und Rätsel fast gewaltsam aufgelöst werden, bedauert er, dass "OT" in Deutschland nahezu unbekannt ist. Die komplizierte, mitunter homoerotisch anmutende Beziehung der Freunde Wilhelm und Otto, die darin ausgeleuchtet wird, ist es dem Kritiker zufolge Wert, gelesen zu werden, genauso wie die Schilderungen der Landschaften Dänemarks, Deutschlands, Frankreichs und Italiens, die in dem Buch vorkommen. Außerdem glaubt Spreckelsen, dass sein Verständnis von Andersens Märchen "Die kleine Seejungfrau" und "Das hässliche junge Entlein" von seiner Lektüre des Romans profitiert hat.
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