Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751810456 Gebunden, 180 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Dänischen von Philipp Theison. Michael Strunge - Lyriker, Ästhet und durch seinen frühen Tod bald schon mythenumrankte, in den Kanon der dänischen Bildungskultur aufgestiegene Legende. Strunges Gedichte - geschrieben in "des Lebens Hast" und Raserei, zwischen Alltagstristesse, Ichverlust, Kaltem Krieg und medialer Bilderflut, beeinflusst von Rimbaud, David Bowie und den Sex Pistols. Sie legen den Blick frei auf eine Welt im Umbruch, in der das "No Future" des Punk dem Bewusstsein weicht, dass bereits die Gegenwart alles denkbar Vergangene und Künftige in sich vereint. Eine unvergängliche Welt, in der sich das Subjekt, schwankend zwischen Kühlheit des Ausdrucks und Verletzlichkeit, als Echoraum von Stilen und Stimmen erweist, die sich, wie Philipp Theisohn in seinem brillanten, mit den Gedichten korrespondierenden Essay schreibt, rekombinieren, zerteilen, vervielfältigen und hybridisieren lassen - "und alles, alles kann geschehn".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2026
Rezensent Peter Urban-Halle feiert die Entdeckung des 1986 verstorbenen dänischen jungen wilden Lyrikers Michael Strunge auf Deutsch. Allerdings hat die Sache auch einen Haken, meint er. Die Übersetzung der Gedichte von Philipp Theisohn findet der Rezensent allzu selbstverliebt, und Theisohns begeleitender Essay glänzt zwar, aber mit prätentiösen Sätzen. Dabei faszinieren die Texte Urban-Halle mit ihrer "glühende" expressiven Formensprache und den Themen Stadt und Nacht. Die Bezüge der Gedichte zu Bowie, Rimbaud und zum Punk findet Urban-Halle spannend, leider geht manche Referenz in Theisohns Übertragung verloren, bedauert er. Dennoch: eine überfällige Hommage an einen zu früh gegangenen Schiller Dänemarks, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.05.2026
Rezensent Peter Urban-Halle ist eigentlich hocherfreut, dass endlich eine Auswahl von Gedichten des hierzulande kaum bekannten dänischen Dichters Michael Strunge erscheint, der in seiner Heimat geradezu eine "Legende" ist: Strunge war einer der Hauptvertreter einer neuen Generation von Dichtern in den Achtzigern in Kopenhagen, die sich, beeinflusst von "Romantik, Rimbaud, David Bowie und Punk" gegen die "sozialsentimentalen Bekenntnislyrik" der Siebziger auflehnte, lesen wir. Der Germanist Philipp Theisohn hat nun 60 Gedichte ausgewählt und übersetzt und dem Dichter außerdem einen etwas komplizierten Essay gewidmet, erklärt der Kritiker. Leider ist die Übersetzung der Gedichte allzu "prätentiös" geraten, teilweise gehen popkulturelle Anspielungen verloren, so der Kritiker, teilweise erinnert der gehobene Ton eher an eine Homer-Übersetzung. Da schiebt sich der Übersetzer leider etwas allzu sehr in den Vordergrund von etwas, das eigentlich eine "große Hommage" sein will, bedauert Urban-Halle.
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