Meir Aron Goldschmidt

Avrohmche Nachtigall

Erzählungen
Cover: Avrohmche Nachtigall
Wallstein Verlag, Göttingen 2003
ISBN 9783892446750
Gebunden, 141 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Gisela Perlet. Die Protagonisten dieser vier Erzählungen, "kleine Leute" im dänisch-jüdischen Milieu des ausgehenden 19. Jahrhunderts und vom Autor mit freundlicher Ironie bedacht, sind auf ihre Art Außenseiter, die Tragikgrotesken erleiden und durchleben, ohne ihre menschliche Würde zu verlieren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2004

Meir Aron Goldschmidt gehört zu jenen Autoren, die immer mal wieder aus der Versenkung auftauchen, dabei aber nie "kanonisch" werden, auch nicht "langweilig" werden, meint Burkhard Müller. Er preist den "witzigen Geist" des 1819 in Dänemark geborenen Autors und schreibt seinen Texten eine "erhellende und erfrischende Wirkung" zu. In dem vorliegenden Band mit vier Erzählungen geht es vor allem um die schwierige Stellung der Juden in Dänemark zwischen Assimilation und Ablehnung durch die christliche Umgebung, fasst der Rezensent zusammen. Neben allem Humor, der die Erzählungen auszeichnet, sind die Geschichten auch immer "ein wenig traurig", findet Müller, der dieses Buch als "sehr lesenswert" lobt und diese "liebevolle Edition und geschickte Auswahl" sehr empfiehlt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.01.2004

Hannelore Schlaffer begrüßt diesen kleinen Band mit vier Erzählungen, die vom jüdischen Leben im 19. Jahrhundert handeln und damit Einblick in eine Welt vermitteln, die von der bevorstehenden Katastrophe des 20. Jahrhundert noch keine Ahnung hatte. Meir Aron Goldschmidt (1819 - 1887) sei ein dänischer Spitzweg, stellt uns Schlaffer den literarischen Genremaler vor, dem die Grenzen des Gettos bei seiner "Literatur der kleinen Leute" Hilfestellung leisteten. Goldschmidt nehme sich durchweg der vom Schicksal stiefmütterlich behandelten Träumer und Verlierer an, stellt die Rezensentin fest und sieht den dänischen Autor, der auch drei große Romane geschrieben hat, mit diesem literarischen Topos nicht alleine dastehen: manches erinnert sie an Keller, Stifter oder Grillparzer. Goldberg behandele seine Käuze liebevoll, meint Schlaffer, denn da wo das Schicksal ihnen übel mitspiele, hülle der Autor seine Figuren in humoristische Scherze "wie in warme Tücher". Die Enge des Gettos hatte durchaus auch Charme, stellt die Rezensentin fest, zumindest so wie sie Goldberg zeigt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2003

Heinrich Detering nutzt die Besprechung des Erzählbandes von Meir Aron Goldschmidt, diesen 1885 gestorbenen dänisch-jüdischen Schriftsteller vorzustellen, der zu seinem Bedauern hierzulande in Vergessenheit geraten ist. Während die Romane Goldschmidts "zu Recht" den Ruf haben, sich allzu sehr am deutschen Vormärz zu orientieren und dabei das "Programm über die Poesie" stellen, legt Detering den Lesern die Erzählungen dieses Schriftstellers uneingeschränkt ans Herz. Für den vorliegenden Band hat die Herausgeberin und Übersetzerin Gisela Perlet vier Erzählungen ausgewählt und, wie der Rezensent findet, nicht nur "makellos übersetzt", sondern auch mit einem "klugen und liebevollen Nachwort" ergänzt. Das wiederkehrende Muster der Geschichten, in denen der aus dem Roman "Der Rabe" bekannte "liebste und liebenswürdigste Held" aus dem Goldschmidtschen Oeuvre, Simon Levi", zum ersten Mal erscheint, ist die "gerade noch abgewendete Tragödie", meint der Rezensent, der darin die alltägliche jüdische Lebenswelt genauso dargestellt sieht wie die vielen Facetten von "Assimilation und Orthodoxie". In diesen Texten zeigt sich der Autor als "großer Erzähler", schwärmt Detering, den viele Passagen dieser Geschichten gerührt, aber auch "erstaunlich" oft zum Lachen gebracht haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2003

Aldo Keel feiert ein "Ereignis" - "das vielleicht schönste dieses deutsch-skandinavischen Buchherbstes" - und ruft auf zur Entdeckung des "begnadeten Erzählers" Meir Aron Goldschmidt, ein dänischer Jude, der etwa Mitte des 19. Jahrhunderts unter anderem eine bedeutende satirische Zeitschrift herausgab und für sein zersetzendes schreiberisches Engagement schließlich ins Gefängnis kam. Jetzt liegen vier seiner Geschichten in "gelungener Übersetzung" vor und offenbaren seine Themen - die "Frage der Zugehörigkeit" zum Judentum in einer antisemitischen Umgebung etwa - ebenso wie seine enormen Fähigkeiten. In den Geschichten über beispielsweise einen "buckligen Kommissionär" oder einen in die Falsche (eine Christin!) verliebten Musiker finden sich nämlich eine "wunderliche Naivität, vermischt mit Pfiffigkeit, Unverschämtheit, treffendem, funkelnden Witz, Selbstironie und einem Humor, der sich auch in grotesken und absurden Volten überschlagen kann", rühmt Keel.
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