Marjana Gaponenko

Wer ist Martha?

Roman
Cover: Wer ist Martha?
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518423158
Gebunden, 238 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Wer Martha ist, wird hier nicht verraten, aber über Luka Lewadski kann Folgendes gesagt werden: Ornithologe aus der Ukraine und Verfasser der bahnbrechenden Studie "Über die Rechenschwäche der Rabenvögel". Über seinen Forschungen ist er in die Jahre gekommen und 96 geworden. Viel Zeit bleibt nicht mehr, sagt der Arzt. Und die will gut genutzt sein, sagt sich Lewadski. Also reist er nach Wien, steigt im noblen Hotel Imperial ab und lernt im Fahrstuhl einen Altersgenossen kennen, dem der Lebensfaden auch schon reichlich kurz geworden ist. Wie die beiden Alten aus der Muppet Show in ihrer Loge sitzen die zwei beim Früchte-Wodka in der Hotelbar, kommentieren die Frisuren der Damen, rekapitulieren das mörderische vergangene Jahrhundert und träumen von der Revolution. Und langsam wird Lewadski das Geld zum Sterben knapp.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2013

Hymnisch bespricht Beate Tröger Marjana Gaponenkos neuen Roman "Wer ist Martha?". Einmal mehr stelle die ukrainische, in Mainz lebende Autorin ihr Talent unter Beweis, ebenso humorvoll wie tiefgründig, überschwänglich und zugleich nüchtern zu erzählen und dabei kunstvoll, aber nie ästhetizistisch mit Worten zu spielen. Und so folgt die verzückte Rezensentin Gaponenkos wunderbar eigensinnigem und skurrilem Helden Lewadski, einem sechsundneunzigjährigen, emeritierten Ornithologen, der sie nicht nur an eine Figur aus einer Erzählung von Isaak Babel erinnert, sondern darüber hinaus zum "herzerwärmenden" Sinnbild eines alten, ganz der Kunst und Wissenschaft verpflichteten Europas wird. Jener Lewadski, der sich zeitlebens mehr mit Vögeln als mit Frauen und den politischen Wirrungen des vergangenen Jahrhunderts beschäftigte, verbringt nach einer vermeintlichen Todesdiagnose seine letzten Tage im Wiener Hotel Imperial, wo er sich lebenshungrig den lang versagten Genüssen hingibt. Diesen fulminanten, tragikomischen Roman kann die Kritikerin nur mit Nachdruck empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Angelika Overath lässt sich überwältigen von der Opulenz dieses Romans, in dem die junge deutsch-ukrainische Autorin Marjana Gaponenko sprachliche Pracht wie Gefieder ausbreitet. Opera buffa? Neoromantik? Pathos und Slapstick? Die Rezensentin möchte sich lieber nicht ganz festlegen, auch intellektuell weiß sie nicht genau, wo es lang geht, aber das hat ihre Freude an dem Werk nicht getrübt. Denn wenn Gaponenko von dem alten galizischen Rabenforscher Luka Lewaldski erzählt, der am Ende seines Lebens Rückschau hält und zu einem allerletzten Streich ansetzt, dann tut sie dies so schwungvoll und mitreißend, dass Overath dieses Sprachfest einfach mitfeiert. Allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Gaponenko trotz ihrer Vorliebe für "Pomp und Pauken" auch die leisen Töne und das "Sfumato der Zärtlichkeit" beherrscht.
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