Bettina Wilpert

nichts, was uns passiert

Roman
Cover: nichts, was uns passiert
Verbrecher Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783957323071
Gebunden, 170 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Leipzig. Sommer. Universität, Fußball-WM und Volksküche. Gute Freunde. Eine Geburtstagsfeier. Anna sagt, sie wurde vergewaltigt. Jonas sagt, es war einvernehmlicher Geschlechtsverkehr. Aussage steht gegen Aussage. Nach zwei Monaten nah an der Verzweiflung zeigt Anna Jonas schließlich an, doch im Freundeskreis hängt bald das Wort "Falschbeschuldigung" in der Luft. Jonas' und Annas Glaubwürdigkeit und ihre Freundschaften werden aufs Spiel gesetzt. Der Roman "nichts, was uns passiert" thematisiert, welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf Opfer, Täter und das Umfeld hat und wie eine Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2018

Shou Aziz fühlt sich von Bettina Wilperts Debüt "nichts, was uns passiert" als Richterin darüber eingesetzt, ob der Protagonist ihres Romans tatsächlich die Protagonistin vergewaltigt hat. Der Roman lasse die Frage unbeantwortet - Anna bleibt bei ihrer Beschuldigung, Jonas streitet sie ab. Die Rezensentin glaubt allerdings nicht, dass es der Autorin dabei um die berühmte Suspendierung der objektiven Realität geht. Eher stelle Wilperts die sozialen Konsequenzen einer solchen Anklage in einem Umfeld aus, in dem Vergewaltigungen als fast undenkbar gelten - denn Jonas und Anna sind Studenten. Die scheinbar erhabenen Bildungskinder werden dann nach Aziz dennoch von ihrem ebenso lupenreinen Umfeld solange stigmatisiert, dass diese leidvolle Erfahrung sie einander fast wieder annähert. Obwohl die Rezensentin bemerkt, dass ein solches Buch genau in die aktuelle #MeToo-Debatte passt, hat es sie bisweilen geärgert, dass die Autorin ihrer Figur Anna nicht mit einer klaren Verurteilung von Jonas beispringt. Aziz fragt sich, ob sie sich nur nicht getraut hat, dieses Urteil auszusprechen, oder ob es ihr darum ging, ihre Leser zu einem eigenem Urteil zu bewegen. Letzteres sei im Zeitalter alternativer Fakten zwar durchaus lobenswert, meint Aziz, aber dennoch hat die Rezensentin Zweifel, ob sich Vergewaltigungen wirklich für ein solches moralphilosophisches Gedankenexperiment eignen.