Hanif Kureishi

Das sag ich dir

Roman
Cover: Das sag ich dir
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100420312
Gebunden, 512 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Der Mensch ist von Natur aus verrückt - das ist ganz normal. Jamal weiß das nur zu gut. Täglich entlockt er seinen Patienten auf der Couch wilde Phantasien, Träume und Wünsche. Über das eigene Geheimnis spricht er nur selten, aber wenn er erzählt, klingt seine Geschichte unglaublich. Nur Ajita weiß, was er verschweigt und behält es dreißig Jahre lang für sich. Da sind Jamal, seine Familie und seine Freunde nicht mehr jung, aber auch nicht zu alt, um die erste Liebe wiederzubeleben, ihr Coming-out zu verkünden oder der Wahrheit ins Auge zu sehen. Sie alle wissen um die komische, zärtliche und manchmal traurige Aufgabe, ein Mensch zu sein und setzen alles aufs Spiel, damit es gelingt. Ein Streifzug durch alle Facetten Londons.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.01.2009

?Schrägen Charme? bescheinigt Rezensenin Ursula März dem neuen Roman des britischen Kultautors, der aus ihrer Sicht ein am Trivialen lehnender, unendlicher Strom aus ?Talk, Trash und Tiefsinn? ist. So kommt ihren Informationen zufolge in diesem Buch alles vor, ?Sub- und Hochkultur, Trash und Bildungskanon, Kleinfamilie und Swinger-Club, Perversion und Philosophie?. Kurz, in dieser Geschichte über einen britisch-pakistanischen Psychoanalytiker in London, der die Fronten wechselt und sich selbst auf die Couch legt, sei viel los, und alles ein bisschen grell und mitunter auch geschwätzig. Dennoch kann die Rezensentin dieser Reise auf dem Strom des zeitgenössischer Rede in die Abgründe unserer Gegenwart einiges abgewinnen. Auch, weil Hanif Kureishi darin höchst authentisch auf der Welle der Diskurse dieses Zeitalters surft. Dem Übersetzer und Schriftsteller Henning Ahrens und seiner souveränen Übertragung dieses 500-Seiten Werks zollt die Rezensentin ebenfalls Respekt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2008

Rezensentin Irene Binal zeigt sich enttäuscht von Hanif Kureishis neuem Roman um die Midlife-Crisis eines britisch-pakistanischen Psychoanalytikers in London. Nach einem vielversprechenden Beginn mit dem Auftritt einer Reihe von originellen Figuren lässt das Buch zu ihrem Bedauern stark nach. Nicht erwärmen kann sie sich für Kureishis alle Regeln missachtenden Stil, das Hin und Her und Vor und Zurück, die abrupten Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, den Mangel an Stringenz. Der Charme dieses Stil bleibt ihres Erachtens diesmal auf der Strecke. Den 500-Seiten-Roman könnte man in ihren Augen getrost auf eine 100-Seiten-Novelle eindampfen, um wenigstens den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten, um den sich der Autor kaum zu kümmern scheint. Auch Kureishis Witz sei "schal geworden". Insgesamt wirkt der Roman auf sie wie eine "große Midlife-Crisis", halb melancholisch, halb belanglos.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2008

Nicht unbedingt ein gutes Zeichen: Rezensent Tobias Döring holt weit aus und denkt über Klassentreffen und ihre Folgen nach, bevor er auf diesen Roman kommt, den er nicht ohne den Vergleich mit früheren Werken des Autors lesen will. Nun lädt Hanif Kureishi zu diesem Vergleich durchaus ein, indem er nicht nur die Milieus seiner wilden, frühen Jahre - als er etwa das Drehbuch zu Stephen Frears' Film "Mein wunderbarer Waschsalon" schrieb -, sondern einige seiner alten Figuren für Gastauftritte selbst aufruft. Dagegen stellt er jedoch seine Hauptfigur, den Psychoanalytiker Jamal Khan. Und die ist ein Problem, findet Tobias Döring. Dass Kureishi Plots nicht gut kann und auch eher durch genaue Beobachtungen als durch Fantasie überzeugt, nun gut. Seinen Erzähler-Helden aber kann man, auch wenn ihm ein "Geheimnis" aufgebürdet ist, schwerlich faszinierend finden, bedauert Döring. Er bereut es, wie er versichert, keineswegs, dieses Buch gelesen zu haben, zu den stärksten seines Verfassers zählt er es aber offensichtlich nicht.