Aus dem Englischen von Michael Walter. Katharine Hilbery, wohlerzogene Tochter aus der Londoner Oberschicht, ist standesgemäß und langweilig verlobt. Doch sie erliegt der Faszination des jungen Rechtsanwalts und sozialen Aufsteigers Ralph, der sie liebt, aber seinerseits von der Frauenrechtlerin Mary verehrt wird. Katharine entscheidet sich gegen die Konventionen ihrer Herkunft und für ihre Liebe zu Ralph. Ihre Cousine Cassandra schwärmt hingegen für Katharines Verlobten und verzehrt sich deshalb in Gewissensnöten. Spionierende Tanten, verpasste Rendezvous, Eifersucht und gekränkte Eitelkeiten können nicht verhindern, dass die Verliebten zueinander finden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.01.2010
Renate Wiggershaus hat mit Virginia Woolfs zweitem Roman, mit dem sie, wie die Rezensentin mitteilt, ihren psychischen Zusammenbruch überwand, zwar ein in Stil und Thematik an konventionellen Maßstäben orientiertes Buch gelesen. Trotzdem ist darin bereits, wie die Rezensentin bekräftigt, mit den darin auftauchenden Motiven, mit dem ironischen Witz, dem Scharfsinn und den dichten Beschreibungen bereits die ganze Woolf erkennbar. Zentrale Figur in diesem Roman ist die 27-jährige Katherine Hilbery, die leidenschaftlich der Mathematik verfallen ist, mit einem zehn Jahre älteren Mann verlobt ist und sich in einen anderen verliebt. Das ist zwar nur ein Handlungsstrang, doch taucht hier schon das in späteren Werken so wichtige Motiv der "Dialektik von gesteigerter Zweisamkeit und gesteigerter Individualität" auf, so Wiggershaus. Als Gewinn der deutschen Neuausgabe im Rahmen der Gesammelten Werke empfindet die Rezensentin, dass Michael Walter seine Übersetzung von 1983 für diese Ausgabe noch einmal überarbeitet hat. So hat die eingenommene Rezensentin nicht wenige Stellen gefunden, die in der neuen Ausgabe "noch adäquater" wiedergegeben sind, wie sie lobt.
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