Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Amalfitano, ein linker Literaturwissenschaftler aus Chile, lebt nach dem Tod seiner Frau mit Tochter Rosa in Barcelona. Sein spätes Coming-Out und Liaisons mit Studenten sorgen an der Universität für einen Skandal, sodass Vater und Tochter nach Mexiko auswandern, ins Nirgendwo der Grenzstadt Santa Teresa. Hier liest Amalfitano die "imaginären Romane" des Schriftstellers J.G. Arcimboldi und verliebt sich in den Kunstfälscher Castillo, während Polizeichef Negrete ihn und Rosa längst scheinbar grundlos beschattet. In seinem letzten unvollendeten Roman erkundet Bolano wie in seinem Jahrhundertwerk "2666" literarisches Neuland - ein Feuerwerk aus Humor, Fantasie und abgründigem Witz.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2013

Dieses Werk aus dem Nachlass mag zwar ein unvollendetes Fragment sein, aber keineswegs unvollständig, erklärt Rezensentin Eva-Christina Meier, die zudem erklärt, dass Bolaño über 20 Jahre an diesem Manuskript arbeitete und das Buch editorisch sorgfältig zusammengesetzt wurde. Auch kann sie sich gut vorstellen, dass die Grundlagen von "Die Nöte des wahren Polizisten" zeitgleich zu denen von Bolaños gefeiertem Roman "2666" entstanden, begegnet man hier doch teils den selben Figuren mit allerdings anderen Lebensverläufen. Besonders stellt die Rezensentin dabei das reiche Netzwerk aus Kunstschaffenden heraus, das der Autor in seine Bücher einzuweben pflegte. So auch hier: Mit detektivischer Lust spürt Meier diesen Verbindungen nach.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Mit der jüngsten Publikation aus dem Nachlass des vor 10 Jahren verstorbenen Roberto Bolano macht sich Rezensent Paul Ingendaay Gedanken über den Umgang mit den nachgelassenen Texten des postum zu Kultstatus aufgestiegenen Autors. Der Fragment gebliebene Roman erzählt von einem chilenischen Philosophieprofessor, der wegen seiner sexuellen Ausrichtung die Universität von Barcelona verlassen muss und mit seiner 17-jährigen Tochter in ein mexikanisches Provinznest zieht, erfahren wir. Der erfahrene Bolano-Leser wird viele Themen, Figuren und Motive finden, die er aus den früher publizierten Romanen Bolanos kennt, aber gleichwohl von der Originalität, der Wendigkeit und Suggestivität des Romans begeistert sein, versichert der Rezensent. Allein die atmosphärische Dichte, mit der der chilenische Autor das Provinzstädtchen Santa Teresa und das Universitätsleben dort schildert, findet Ingendaay gewohnt großartig. Weniger angetan ist er vom Vorwort und vom Nachwort der Witwe Bolanos, in denen nicht etwa sachliche Hinweise zum Manuskript oder Erläuterungen zu den vorgenommenen Korrekturen und Änderungen gegeben werden, sondern versucht wird, den Lesern das Textfragment geschäftstüchtig als "unabgeschlossen, aber nicht unvollständig" anzudrehen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.03.2013

Es ist fast, als wäre Roberto Bolaño noch lebendig, findet Ralph Hammerthaler, immer wieder erscheinen neue Romane oder kleinere Schriften aus dem Nachlass und einige dünnere Büchlein warten noch auf ihre Übersetzung ins Deutsche. Der Rezensent hat "Die Nöte des wahren Polizisten" wieder einmal "bolañotrunken und glückstaumelnd" gelesen. Oscar Amalfitano ist Professor für Literatur und Witwer, berichtet der Rezensent. Nachdem er seine Stelle an der Universität in Barcelona verloren hat, weil diese ihm eine Affäre mit einem seiner Studenten nicht durchgehen lassen wollte, ist er mit seiner Tochter nach Mexiko gezogen, wo er wieder unterrichten kann, fasst Hammerthaler zusammen. Aus einem Brief Bolaños von 1995 erfährt der Rezensent, was es mit dem Titel auf sich hat: "Der Polizist ist der Leser, der vergeblich versucht, Ordnung in diesen vermaledeiten Roman zu bringen", zitiert er den Autor. So schwierig sei das aber gar nicht, verspricht Hammerthaler, gewohnt beunruhigend sei das Buch aber trotzdem.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2013

Mit großer Freude hat Andreas Breitenstein den nun postum veröffentlichten Roman "Die Nöte des wahren Polizisten" des 2003 verstorbenen chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño aufgenommen. Die typische "Überfülle, Übertiefe und Überdichte" von Bolaños Romanen findet sich seines Erachtens auch in vorliegendem Werk über einen Literaturwissenschaftler, der nach dem Tod seiner Frau wegen seiner Homosexualität von der Universität verwiesen wird und mit seiner Tochter in die mexikanische Provinz zieht, wo er sich mit einem Kunstfälscher einlässt und in die erfundenen Romane J. M. G. Arcimboldis vertieft. Die Komplexität des Werks ergibt sich für Breitenstein durch die Fülle des eingebauten Materials: Exkursen über Literatur, erfundenen Romanen, Rückblenden, Briefen, Gedichten, Sex- und Gewaltszenen, witzigen Dialogen, Parabeln, Parodien und Paradoxien. Mit viel Lob bedenkt der Rezensent die hervorragende Übersetzung. Sein Resümee: eine "Wundertüte präziser halluzinatorischer Phantasie".