Aus der Misere der islamischen Staaten erwächst eine globale Gefahr. Eine innovationsfeindliche Kultur, eine rapide wachsende, dabei arme und unterdrückte Bevölkerung, zur Neige gehende Erdölvorkommen und klimatische Probleme ergeben ein explosives Gemisch. Der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand und der Zukunft der islamischen Kultur und wagt eine scharfe Prognose für deren Zukunft: Die islamischen Staaten werden zerfallen, der Islam wird als politische und gesellschaftliche Idee, er wird als Kultur untergehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2010
Sehr zurückhaltend bespricht Rezensent Wolfgang Günter Lerch dieses Buch. In seiner Kritik fasst er im wesentlichen den Inhalt zusammen. Danach sieht Hamed Abdel-Samad die islamische Welt zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Überlegenheitsgefühlen dem Westen gegenüber hin und her schwanken. Produktiv ist das nicht, im Gegenteil: Der absolute Gehorsam, den die Religion fordert, ist laut Abdel-Samad ein Spiegelbild des Gehorsams, den viele arabische Machthaber von ihren Untertanen fordern. "Gehorsam, nicht eigenes Denken ist die erste Gläubigenpflicht", fasst es der Rezensent zusammen. Das Buch, meint er, ist pauschalisierend und wird den islamisch geprägten Staaten in ihrer Unterschiedlichkeit nicht gerecht. Aber es trifft auch einen "wunden Punkt", so der Rezensent.
Als oberflächlich und psychologisch platt verreißt Christian Meier rigoros dieses Buch. Es legt seiner Ansicht zwar den Finger in manch klaffende Wunde, und stellt auch einige wichtige Fragen. Überzeugende Antworten jedoch liefert ihm der deutsch-ägyptische Publizist nicht. In Anlehnung an Oswald Spengler diagnostiziere Hamed Abdel-Samad zwei wesentliche Krisensymptome, meint Meier: Konsum-Denken und Erstarrung hegemonial-religiösen Denkens. Daraus werde dann flott eine Soße aus Vorurteilen und Kulturralismen gerührt, meckert Meier, und über eine "selektiv zusammengestellte islamische Geschichte" gekippt.
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