György Konrad

Das Pendel

Essaytagebuch
Cover: Das Pendel
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518422526
Gebunden, 244 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke. Mit Imagination und Skepsis blickt György Konrad, Dichter und Chronist, auf die Gegenwart. Im Licht der todbringenden Erlebnisse seiner Kindheit, der blutig gescheiterten ungarischen Revolution von 1956 und der bleiernen Zeit danach erscheinen auch der Umbruch von 1989 als Scheinsieg und die aufbrechenden Energien im rechten politischen Spektrum seines Landes als Menetekel einer sich wiederholenden Vergangenheit. Erneut scheint es keinen Fortschritt zu geben und bei der Teilung in Mächtige und Ohnmächtige bleiben zu müssen. Das Personal der Geschichte wechselt, aber hinter gewendeten Masken brodelt der Hass, machen sich die immergleichen alten Kräfte, Despoten und Helfershelfer, bemerkbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2012

Rezensent Walter Hinck kann sich bei der Fülle von Preisen und den Ämtern, die György Konrad innehatte und hat, nur wundern, dass der ungarische Autor sich dennoch eine solche "Unvoreingenommenheit" und Leichtigkeit bewahrt hat. Der nun auf Deutsch erscheinende Band "Das Pendel" ist eine Mischung aus Essayband, Tagebuch und Autobiografie, stellt der Rezensent fest. Zwar nicht ganz unproblematisch, letztlich aber ein äußerst authentisches Buch mit beachtlicher Reflexionshöhe, wie er anerkennend bemerkt. Ein Zentrum der Erinnerungen, Beobachtungen und Reflexionen bildet der gescheiterte Ungarn-Aufstand von 1956, ein anderer das Ende des Ostblocks 1989, und hier bewundert Hinck den unvoreingenommenen Blick "von außen", mit dem der zwischen Berlin und Budapest pendelnde Autor die Ereignisse zu betrachten vermag. Durchaus als "Dissident", aber nicht als "Kämpfer" sieht sich Konrad, der allerdings angesichts der "konservativ-nationalen Wende" in Ungarn nach der Wende unter Ministerpräsident Antall und der antisemitischen Rhetorik doch zum kämpferischen Schriftsteller wird, wie Hinck feststellt. Zugleich zeigt sich im Konrad hier nicht nur als ein glänzender ungarischer, sondern als "urbaner Schriftsteller" schlechthin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011

Genuss am Leben, Vorgeschmack des Todes, so könnte Michael Braun seine vielfältigen Lektüreeindrücke von György Konrads Diarium zusammenfassen. Braun schätzt Konrads weit in die Vergangenheit zurückreichenden Blick, in dem sich Politik und Geschichte (die Ungarns, die seiner Familie) und Alltag verbinden und die Frage nach dem eigenen Wollen und Stehen. Allzu gewichtig wird es aber nicht, gibt Braun erleichtert zu verstehen, davor ist Konrads leise Ironie. Anders wären die Berichte von Zensur und Schikane im ungarischen Kommunismus, von namenlosen Schicksalsschlägen wohl auch kaum zu ertragen. Von hier folgt Braun dem Autor umso lieber in Gefilde des Gegenwartsglücks und überall dorthin, wo Literatur gewinnt, als Anverwandlung des Fremden und Entsetzlichen.
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