Nachdem er in "Shenzhen" seinen Aufenthalt in der chinesischen Sonderwirtschaftszone verarbeitet hat, beschreibt Guy Delisle in dem Nachfolgeband "Pjöngjang" seine Reise in eines der isoliertesten Länder der Welt: Nordkorea. Hier arbeitete er zwei Monate lang als Supervisor für eine französische Trickfilmproduktion. Mit George Orwells Klassiker "1984" im Gepäck tritt der frankokanadische Comicautor seinen Dienst an in einem Land, in dem man Orwells Albtraumszenario an der Wirklichkeit messen kann. In detaillierten Zeichnungen berichtet Guy Delisle von Menschen, die nachts von der Stromversorgung abgeschnitten sind, während die Monumente der Il-Sung-Dynastie leuchtend hell erstrahlen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.03.2008
Ausgesprochen beeindruckt bespricht Rezensent Gottfried Knapp dieses Comic-Erinnerungsbuch, das der Zeichner Guy Delisle von einem Arbeitsaufenthalt in der nordkoreanischen Hauptstadt gezeichnet hat. Nicht allein, wie Delisle den "ästhetischen Monotonien" des kommunistischen Alltags zeichnerischen Ausdruck gibt, der Leere verlassener Aufmarschplätze, die er plötzlich "gegen monströse Gigantendenkmäler" oder "absurd klobig in den Himmel ragende Hochhausgebilde" prallen lässt, hat den Rezensenten gefesselt. Auch Delisles "wunderbar grau schattierte Beschwörungen der Personen, Landschaften und Objekte" die ihm begegnen, bewundert der Rezensent sehr, der neben dem grafischen Einfallsreichtum des Zeichners auch dessen ironische Distanz zum Objekt seiner Beschreibung sehr genossen hat. Denn dieser Distanz verdankt der höchst subtile Comic aus Sicht des Rezensenten, dass er eine Ahnung von einem orwellhaften Überwachungsstaat zu vermitteln verstehe, ohne dabei in platte Banalität zu verfallen.
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