Gunther Geltinger

Benzin

Roman
Cover: Benzin
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518428597
Gebunden, 377 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Es ist nicht die erste Reise, die Alexander und Vinz unternehmen, weil ihre Beziehung in eine Krise geraten ist. Der Roadtrip durch Südafrika soll ihnen Klarheit über sie verschaffen, und Vinz, der Schriftsteller, erhofft sich eine Idee für seinen neuen Roman. Vorbei an Straßenmärkten, Chicken Inns und Anhaltern bewegen sie sich durch ein Land, in dem Wohlstand und Armut aufeinanderprallen, Homosexualität als Tabu gilt und in dem sich die beiden Deutschen mit der Gedankenlosigkeit der weißen Touristen konfrontiert sehen. Als sie einen jungen Mann anfahren, zieht sie das immer tiefer in Widersprüche: Einerseits fühlen sie sich dem Fremden verpflichtet und bezahlen ihn, als er sich als Guide anbietet. Andererseits verschärft ihr neuer Begleiter die Spannungen, und vor allem Vinz beschleicht die Sorge um ihre eigene Sicherheit. Als er auf eine Spur für seinen Roman stößt, die nach Simbabwe zu den Victoria-Fällen führt, verlassen alle drei ihre ursprünglich geplanten Wege.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.03.2019

"Benzin" ist ein "anstrengender" Roman, findet Rezensent Carsten Otte. Aber das ist auch richtig so, glaubt er, denn die Wahrheit ist nun mal nicht sanft und angenehm. Und nichts anderes als die komplexe, unbequeme, beschämende Wahrheit zu zeigen, dies scheint ihm der ehrenhafte Anspruch dieses wortmächtigen Romans. Alexander und Vinz führen eine homosexuelle Ehe, die jedoch trotz oder gerade wegen der gewissen Freiheiten, die sie sich zugestehen, ziemlich in der Krise steckt, lesen wir. Vinz hat sich in Manuel verliebt, Alexander ist verletzt und trotzdem reisen die beiden gemeinsam nach Afrika, wo Vinz nach literarischer Inspiration und Alexander nach neuen Eindrücken sucht. Wenn sie dann einen Reiseführer durch Simbabwe engagieren, entwickelt sich aus der dieser Ehegeschichte eine vielschichtige Erzählung, so der Rezensent. Migration, Homophobie, Gewalt und politische Verfolgung - das sind die Themen, die "digitale Reproduzierbarkeit" des Grauens und die Nähe, welche dadurch zwischen dem Vertrauten und dem Fremden hergestellt wird. Am Ende wird deutlich: Alexander und Vinz haben als reiche, weiße Männer zwar keine Repressionen zu fürchten, als Menschen aber "sitzen alle im selben Boot", so der überzeugte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2019

Martin Oehlen liest Gunther Geltingers afrikanische Road Novel um eine vertrackte Männer-Beziehung mit Faszination. Gefesselt und verstört sieht er sich angesichts der vielen Themen und Motive, die der Text anschneidet, vom Online-Dating über die Homo-Ehe bis zur Krisenlage auf dem afrikanischen Kontinent. Das dauernde Vor- und Zurückspringen des Textes, eine gewisse Ruhelosigkeit im Buch und einige alptraumhafte Szenen machen Oehlen die Lektüre zwar nicht immer leicht, das dichte "Erzählnetz" und den Bilderreichtum im Text findet er allerdings überzeugend.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2019

Knapp, aber hingerissen bespricht Rezensent Tomasz Kurianowicz diesen Roman von Gunther Geltinger, der ihm von einem schwulen Paar erzählt, dass der Lebens- und Beziehungsübersättigung auf einem Südafrika-Trip zu entfliehen versucht - bis sie versehentlich einen Einheimischen anfahren, der sich als Unami aus Simbabwe vorstellt. Allein, wie Geltinger den Umgang der beiden mit dem Fremden zwischen "exotischem Staunen und kultureller Überforderung" schildert, dabei Spannung einbaut und die Beziehung der beiden durchleuchtet, ringt Mangold Anerkennung ab. Vor allem aber lobt er den Stil des Autors, der ihm Sätze beschert, die sich Mangold am liebsten an die Pinnwand heften möchte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2019

Rezensent Paul Jandl ist nicht überzeugt von Gunther Geltingers Roadmovie über die Afrika-Reise eines schwulen deutschen Pärchens. Für ihn will der Text einfach zu viel, meistens jedenfalls, will vom Herz der Finsternis erzählen und vom Ende einer Beziehung, von afrikanischer Magie, Homosexualität und Aids. Am besten gefällt ihm der Roman, wenn er nichts will und der Autor einfach beschreibt - Plantagen, Safari-Touristen, einen gelben Himmel. Doch dann geht es wieder um die synthetischen Sehnsüchte der Reisenden, die der Autor laut Jandl in betuliche Sätze fasst.