Aus dem Englischen von Judith Reker. In seinem Roman zeichnet K. Sello Duiker ein aktuelles Bild südafrikanischer städtischer Kultur. Die Handlung spielt in Cape Town, der zweitgrößten Stadt Südafrikas. Der Student Tschepo wird nach einer drogenbedingten Psychose in eine psychiatrische Klinik gebracht. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch begibt er sich in Behandlung und wird gesund. Nun kann er sein Studium beenden, teilt seine Wohnung mit einem ehemaligen Kriminellen und gerät in weitere Turbulenzen. Sein Job als Callboy in einem Massagesalon mit zumeist weißen Kunden führt ihn zur Reflexion über seine eigene Sexualität und über schwarze Homosexualität in der Post-Apartheid-Gesellschaft. Parallel zu Tschepos Leben erzählt Duiker die Erfahrungen von Tschepos Studienfreundin Mmabatho, die von ihrem deutschen Freund ungewollt schwanger wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2011
Nichts für zarte Gemüter, dieser düstere Roman des Südafrikaners K. Sello Duiker. Aber Rezensentin Nicole Henneberg war mindestens ebenso gefesselt wie verstört von dieser Geschichte eines liebeshungrigen Mannes in Südafrika, der mit einer drogeninduzierten Psychose in die Nervenklinik eingewiesen wird, der aber, wie im Laufe seiner Selbsterkundung deutlich wird, schwerwiegendere Erlebnisse zu verkraften hatte als einen Cannabisrausch. In eine furchterregende Welt der Grausamkeit, der Gewalt und Unberechenbarkeit wurde die Rezensentin geführt und findet es ganz nachvollziehbar, dass der Held, Tshepo, zum ersten Mal in einem schwulen Sexclub Anerkennung erfährt und beginnt, die "Lustpunkte des männlichen Körpers" zu erkunden. Sehr an Hubert Fichte hat sich die Rezensentin erinnert gefühlt und ihr kommt der Titel seines Erzählprojekts "Zärtlichkeit ordnen" in den Sinn. Mitreißend und pointiert komponiert findet Henneberg den Roman. Duikers Roman ist in Südafrika bereits 2002 erschienen und sehr positiv aufgenommen worden, der Autor aber hat sich, wie Henneberg berichtet, 2005 im Alter von dreißig Jahren das Leben genommen.
K. Sello Duikers Roman "Die stille Gewalt der Träume", der vom urbanen Südafrika und sexueller Gewalt erzählt, hat Ines Kappert tief beeindruckt. Die Tonlage erinnert sie an Rolf-Dieter Brinkmanns "Keiner weiß mehr" oder auch an Rainald Goetz' "Geschichte der Gegenwart". Sie bescheinigt dem Autor, die Handlung um einen 23-jährigen Journalistikstudenten, der nach einem Psychiatrieaufenthalt als Sexarbeiter tätig wird, vor allem in Dialogen, sprachlich einfach, direkt und ohne souveränen Erzähler zu entwickeln. Neben "präzisen Beobachtungen" sieht sie "noch rohe Überlegungen" und "triviale Alltagsphilosophierereien" treten. Generell scheint ihr Duiker mit der Gegenwart auf Augenhöhe zu kommunizieren. Besonders hebt sie die Thematisierung von sexueller Gewalt unter Männern hervor, die dem Autor in ihren Augen auf eine sensible, nie sensationslüsterne Weise gelingt. Ihr Fazit: eine große Entdeckung.
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