Erzählen, das heißt für Günter Kunert, dem Leser die Wahrheit zumuten. Seine pointierten, bösartigen und immer ungeheuer komischen Geschichten halten der menschlichen Spezies einen Spiegel vor, in dem diese sich nicht immer gern erkennt. In seinen Geschichten aus Ost und West, von gestern und morgen, erzählt er vom Alltäglichen und vom Ungewöhnlichen - und vom Ungewöhnlichen im Alltäglichen. "Günter Kunert ist ein bemerkenswert bissiger Chronist, der das Ungeheuerliche nicht übersieht, sondern es benennt", so charakterisierte es das Deutschlandradio. Für die deutschsprachige Literatur der Gegenwart ist dieser Erzähler unverzichtbar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.06.2016
Jörg Magenau ärgert sich über diesen Band mit Gebrauchstexten von Günter Kunert aus sechs Jahrzehnten. Dass Herausgeber Hubert Witt die Texte nicht chronologisch ordnet, Veröffentlichungsdaten nicht nennt und die Jahreszahlen nur am Ende des Textes verrät, findet der Kritiker angesichts der Tatsache, dass Kunert nur bis 1979 in der DDR veröffentlichte, unverständlich. Aber auch die Texte selbst können dem Vergleich mit Kunerts Lyrik nicht standhalten, moniert Magenau: Nette, recht "originelle" Ideen über erotische und politische Affären entdeckt der Kritiker hier, die aber in ihrer Ausführung meist harmlos, "schal" und gelegentlich "pubertär" anmuten, schließt Magenau.
Das Unerwartbare ist am besten in der knappen Form aufgehoben, weiß Otto A. Böhmer, der Günter Kunert als einen Virtuosen der Überraschungsprosa empfiehlt. Was diese Erzählungen für ihn so gelungen macht, ist der sparsame Einsatz des irritierenden Moments. Kunert spielt mit den Erwartungen des Lesers, übertreibt aber nicht, wie Böhmer anhand der Geschichte des Herrn O. Darstellt, der nach Jahrzehnten seiner früheren Geliebten begegnet, die er als besonders leidenschaftlich in Erinnerung hatte. Keinesfalls spart Kunert jedoch, wie der Rezensent versichert, mit schönen "wahrheitsähnlichen" Bildern.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…