Wolf Wondratschek geht in seinen Erzählungen Schicksalen von Menschen nach, deren Leben sich gegen ihren Willen selbständig macht und sie bedroht. Was jedem passieren kann, überall: einem Schriftsteller in Saint Tropez, einem Feuerwehrmann im Wiener Konzerthaus, einem jungen russischen Mädchen, sogar einem glücklich verheirateten Ehepaar. Scheinbar folgerichtige Lebensgeschichten werden als eine Ansammlung von Zufälligkeiten beschrieben...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.12.2005
Rainer Moritz ist durchaus bereit darüber hinwegzusehen, dass das "Saint-Tropez" in der Titelerzählung dieses Wondratschek-Bandes falsch geschrieben ist, und nach den positiven Aspekten in diesen Texten zu suchen. Einige findet er auch: eine fein gearbeitete Prosa, komplexe Satzkompositionen, ein Händchen für literarische Effekte. Die Anmerkung, dass inhaltliche "Verrätselungen" einen "magischen Zauber verleihen sollen", lässt schon vermuten, dass das nicht so ganz geklappt hat, und die Entdeckung von "vielerlei Bildungsgut" lässt darauf schließen, dass weniger vielleicht mehr gewesen wäre. Wondratschek schreibe "artifizielle Prosa", doch fehle es an "sprachlichem Feinschliff". Moritz erinnern die Erzählungen an Wiener Cremeschnitten: in kleinen Häppchen mag das kalorienreiche Süßgebäck schmecken, zuviel davon verdirbt ihm jedoch den Magen.
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