Peter Schünemann

Dunkles Bild

Drei Erzählungen und ein Essay
Cover: Dunkles Bild
Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN 9783446206847
Gebunden, 120 Seiten, 14,90 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2006

Nicht satt lesen konnte sich Rezensent Lothar Müller an diesen literarischen Essays, deren Autor Peter Schünemann er für seine Gabe preist, den Ton "ferngerückter Sprachschichten" wieder hörbar zu machen. Ein Text des Buches ist Müller zufolge Wolfgang Koeppen gewidmet, lässt sich aber aus seiner Sicht auch als Selbstauskunft Schünemanns lesen. Die beiden anderen Texte spürten, so Müller, Georg Büchner nach, wobei die Erzählung "Zwieland. Eine Büchner-Suite" über Büchners Totenlager im Zürich des Jahres 1837 für ihn das "grandiose Zentrum des Buches" bildet. Diese literarische Suite ist, wie Müller fast ehrfurchtsvoll feststellt, auf Augenhöhe mit ihrem Gegenstand, weil sie "noch einmal die Sprachschichten durchpflügt, die von Büchner ausgehen" und dabei gleichzeitig das Echo festhält, welches er in der Moderne gefunden hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2005

Rezensent Heinrich Detering ist mitgerissen vom "dunklen Pathos" dieser Erzählungen und Texte, von der "traumologischen Schönheit" ihrer melancholischen und "von geschichtlicher Erfahrung"geprägten Bildfolgen. Peter Schünemann, dessen Werk aus Sicht des Rezensenten immer noch weniger Leser hat, als es verdient, habe seine literarischen Texte als "Gegengedächtnis" an die deutsche Katastrophengeschichte des 20. Jahrhunderts komponiert, ohne je eines der Reizworte zu verwenden, die für diese Katastrophen stehen würden - das Wort "Holocaust" zum Beispiel. Schünemanns Essays und Erzählungen findet der Rezensent dabei "von Literatur erfüllt". Er nennt die Namen Kleist, Hölderlin, Trakl und Jakob van Hoddis. Und Büchner, dem in diesem Band ein Porträt gewidmet sei, Neufassung eines bereits 1984 erschienenen Textes. Die imaginären Stimmen der Dichter und ihrer Schreckensvisionen, sowie ihre "wagemutige Anverwandlung" in Schünemanns asketisch komponierten Texten lösen beim Rezensenten eine fast euphorische Bewegtheit aus. Wer Eingang suche in die Erzählwelt dieses fünfundsiebzigjährigen Autors, den schon Wolfgang Koeppen bewundert habe, schreibt Detering, dem werde dieser "schmale Band" die Tore weit öffnen.
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