Günter Brus

Die gute alte Zeit

Selbstbiografie
Cover: Die gute alte Zeit
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2002
ISBN 9783902144287
Gebunden, 269 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Über meine künstlerischen Bemühungen gibt es wenig zu berichten", schreibt Günter Brus in grandioser Untertreibung, "manchmal vermochte ich, eine Kugel zu zeichnen, aber das Ergebnis war immer ein schattierter Kreis. (...) Eigentlich fiel mir nie etwas ein. Ich verfremdete immer nur Herkömmliches, einmal ägyptisch, dann wieder modern, was ungefähr dasselbe ist. Zwischendurch bemerkte ich, daß ich erfolgreich wurde, da und dort." Nicht nur da und dort: Brus zählt zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern nach 1945, seine Arbeiten wurden in so gut wie allen wichtigen Städten, Museen, Galerien vorgestellt. Diese Selbstbiografie zeichnet Stationen auf dem Weg dorthin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2002

Wer Günter Brus' "morbid blühende" Zeichnungen kennt, der kann dem idyllischen Titel seiner Autobiografie nur misstrauen, meint Rezensentin Barbara Catoir. Und in der Tat sind diese ungewöhnlichen Memoiren eines "kongenialen Erzählers" - wie Catoir beeindruckt feststellt - eher ein Mittel, die Schatten der Vergangenheit zu bannen. Da die von der Erinnerung herangeschwemmte "Bilderflut" die Sicht aufs Ganze verstelle, werde ein 'geordnetes' Selbstzeugnis verhindert. Gleichzeitig schaffe die schlaglichtartige Schilderung von Eindrücken ein Mosaik des Seelenlebens. Dabei, so die Rezensentin, sieht sich Brus genau da anknüpfen, wo die Reise von Edgar Allan Poes Figur Gordon Pym aufhört. Darüber hinaus erkennt Catoir jedoch auch erstaunliche Parallelen zu Pyms Erlebnissen. Neben der "realen Welt" zeichne sich aber auch immer mehr eine zweite, "geistige" ab, in der "Verwandte" und "Wahlverwandte" als Orientierungspunkte fungierten. "Lakonisch", und damit meint Catoir knapp und "selbstentblößend", werde Brus, wenn es um seine Kunst geht. Insgesamt erlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle, wie die Rezensentin alles andere als lakonisch erklärt, nämlich die " Gratwanderung eines Künstlers zwischen Schönheit, Grausamkeit, Verlassenheit, Tod und Verwesung, Humor, Selbstpreisgabe, Selbstironie, Selbstvernichtung und Selbstüberhöhung - zwischen 'Nullperson' und 'Symphonie der Tausend'".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2002

Der Autor ist nicht nur ein herausragender Vertreter der österreichischen Gegenwartskunst, auch sein schriftstellerisches Talent habe er bereits mehrfach unter Beweis gestellt, informiert Rezensent Bruno Steiger. Bei der vorliegenden autobiografischen Erzählung handelt es sich um einen Blick auf die Kindheit, die Jugendjahre und die Schulzeit des Künstlers, führt er aus, wobei es sich weniger um eine Ansammlung von Daten und Fakten als vielmehr um eine imaginative Annäherung an diese Lebensepoche handele. Steiger fragt sich, ob es sich bei der Neuerscheinung um ein Alterswerk handele, denn ganz anders als in früheren Publikationen dominiere hier eine "versöhnlich wirkende Tonlage". Steiger findet, dass in diesem Buch eindrücklich die Stimmungslage einer Epoche abgebildet werde, "in der ein 'Wunsch nach Horizontlosigkeit' sich fast nur über Einspruch und Tabuverletzung umsetzen liess".