Gregor Schöllgen

Gerhard Schröder

Die Biografie
Cover: Gerhard Schröder
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2015
ISBN 9783421046536
Gebunden, 1040 Seiten, 34,99 EUR

Klappentext

Ganz gleich ob er als Juso-Vorsitzender die eigene Truppe aufmischt, als junger Bundestagsabgeordneter den politischen Gegner in Wallung bringt, als Rechtsanwalt Außenseiter verteidigt oder als Ministerpräsident den Alleingang zur Perfektion entwickelt - der vorwärtstürmende Aufsteiger aus randständigem Milieu hat immer provoziert. Als Bundeskanzler und SPD-Vorsitzender verweigert er den USA die Gefolgschaft im Irakkrieg, mit seiner Agenda-2010-Reformpolitik riskiert er die Kanzlerschaft, und auch als umtriebiger Wirtschaftsberater und Putin-Freund trotzt er aller Kritik. Gregor Schöllgen hatte uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen Papieren Gerhard Schröders und sprach mit vielen Weggefährten - Freunden und Verwandten, Gegnern und Rivalen, Förderern und Neidern, Opfern und Bezwingern -, die sich ungewohnt offen äußerten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.09.2015

Höchst unterhaltsam liest sich die Besprechung der neuen Schröder-Biografie durch den Autor und Dramatiker Moritz Rinke. Sie beginnt damit, dass er dieses Trumm von Buch bei seinem türkischen Gemüsehändler wiegen lässt: Zweieinhalb Kilo, und sie ist dreimal so dick wie Schöllgens Biografie über Willy Brandt. Aber ist Schröder auch dreimal so bedeutend? Beim Lesen von Rinkes Kritik befallen einen leichte Zweifel. Richtig aufgeregt schildert er im Grunde nur die Zeit bis zum Erreichen der Kanzlserschaft. Danach behauptet der Rezensent gar, die folgenden Seiten über die Jahre der Kanzlerschaft aus dem Buch gerissen und auf dem Gleis 9 (aber nicht 9 ¾) eines Bahnhofs liegen gelassen zu haben. Ob man bei Schöllgen außer über die krachledernen, manchmal sensiblen Aspekte der Persönlichkeit Schröders auch etwas über die problematischen Seiten - etwa seine Liebe zu Putin - erfährt, sagt Rinke nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2015

Rainer Blasius zitiert aus den Vollen in seiner Besprechung von Gregor Schöllgens Schröder-Biografie. Das Resümee des Autors, wonach Schröder als Kanzler Deutschland auf den ihm zugehörenden Platz geführt habe, scheint ihm zu gefallen. Gegen Schöllgens offene Sympathie für den "Acker" Schröder hat Blasius nichts, auch nicht dagegen, dass der Biograf fast mitleidet, wenn es um Schröders Verhältnis zu den Medien geht. Eher noch scheint ihm die Einfühlsamkeit des Historikers Schöllgen zu imponieren, erscheint ihm die Darstellung der rot-grünen Zeit unter Schröder, dessen Hochs und Tiefs, während der CDU-Spendenaffäre, des Irak-Kriegs oder die Beziehung zu Putin betreffend, als bemerkenswerter Rückblick und die Quellenauswertung, besonders des "Privatarchivs Schröder" eine echte Fleißleistung, ganz dem Acker gemäß eben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2015

Franziska Augstein kennt Gregor Schöllgen als Historiker, der mit seinem Zentrum für Angewandte Geschichte in Erlangen eine Art "Biografien-Manufaktur" betreibt und dabei vor allem Unternehmerpersönlichkeiten wie Gustav Schickedanz oder Theo Schöller bedient. Bei der Biografie Gerhard Schröders hält die Rezensentin nicht unbedingt die Festschriftlichkeit für das Problem, sondern die extreme Unoriginalität. Obwohl Schöllgen und seine Mitarbeiter Zugang zum gesamten Archiv des früheren Bundeskanzlers hatten, liest Augstein in dem 1000-Seiten-Werk von einigen Details abgesehen nichts, was sie nicht schon aus Presse, Funk und Fernsehen weiß. Vieles bleibt im Stereotypen: Schröder als Machtmensch oder Opportunist, als Aufsteiger und Bonhomme. Auch die interessantesten Zitate, stammen nicht aus den Archiven, moniert Augstein, sondern aus der Presse; daher käme auch die pointiertesten Einsichten sowie alle halbwegs vernünftigen Erklärungen. Dass ein Biograf keine eigene "souveräne Synthese" schafft, findet Augstein ausgesprochen irritierend.
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