Gregor Sander

Was gewesen wäre

Roman
Cover: Was gewesen wäre
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783835313590
Gebunden, 235 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Die Geschichte beginnt heute in einem heruntergekommenen Luxushotel in Budapest. Zu ihrem vierundvierzigsten Geburtstag hat Astrid diesen Kurzurlaub von ihrer neuen Liebe, Paul, geschenkt bekommen. Ein paar Tage ohne ihre Kinder und ohne seine Arbeit. Mit dieser Reise will Paul auch einen Blick in ihre Vergangenheit riskieren - und bekommt mehr zu sehen, als ihm vielleicht lieb ist. Denn diese Geschichte beginnt auch vor fünfundzwanzig Jahren in der DDR auf einer wilden Künstlerparty, als sich Astrid Hals über Kopf in Julius verliebte. Und ganz ist dieser Julius aus ihrem Herzen nie verschwunden. Gregor Sander verschränkt Vergangenheit und Gegenwart, er erzählt von deutschen Lebensläufen, dass einem fast schwindelig wird. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch nicht auf den zweiten, und nicht einmal auf den dritten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.06.2014

Rainer Moritz hebt die große Nüchternheit des Textes hervor. Dass die Geschichten aus einem Vierteljahrhundert, vom Mauerfall bis in die Gegenwart, jedoch alles andere als nüchtern sind, erscheint ihm zunächst charmant und eventuell den vielen miteinander verknoteten und um das Ereignis einer nicht vollends gelungenen Flucht aus der DDR und den damit verbundenen Enttäuschungen geschlungenen Erzählsträngen geschuldet. Damit verbundene Momente der Angst vermag ihm Gregor Sander noch spürbar zu machen. Und dass der Autor das Fortwirken der Vergangenheit nicht behauptet, sondern anhand von Lebensgeschichten sichtbar macht, findet Moritz stark. Die "sinnliche Sprödigkeit" dieser Prosa aber wirkt auf den Rezensenten spätestens in den Sexszenen zu dürftig. Und auch die Sehnsüchte der Figuren ließen sich farbiger malen, findet er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014

Helmut Böttiger ist von Gregor Sanders Roman, in dem DDR-Vergangenheit, Wendezeit und Gegenwart sehr komplex aufeinander zulaufen, tief beeindruckt und preist ihn, auch wenn er zunächst eher unscheinbar daherkommt, als veritablen Zeit-, Berlin- und Entwicklungsroman. Im Mittelpunkt steht Katharina, zu DDR-Zeiten leidenschaftlich in Julius verliebt, dann doch mit dem eher langweiligen Tobias verheiratet und schließlich, in der erzählten Gegenwart, mit Paul in Budapest. In wechselnden Erzählperspektiven und Zeitsträngen entsteht ein vielschichtiges Netz, in dem sich so manche Gewissheit der Vergangenheit verstrickt und sich so ein faszinierender "Schwebezustand" einstellt, so der Rezensent eingenommen. Privates und Politisches werden hier fein miteinander verknüpft, überzeugende Figuren gezeichnet und dann kommt auch noch eine Krimikomponente hinzu, die Böttiger aber nicht verraten will.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2014

Als Kenner von Sanders Werk fühlt sich Rezensent Hans-Jost Weyandt im neuen Buch des Autors umgehend wohl: "Was gewesen wäre" entwickelt für ihn denselben "spröden Charme", der auch schon Sanders letztes Buch "Winterfisch" ausgezeichnet habe. Dem lockeren Beginn bei einer Neubrandenburger Party Anfang der 80er Jahre folgt eine aus zwei Perspektiven geschilderte, 30 Jahre und damit auch die Wendezeit umspannende, den Kritiker auf positive Weise irritierende Geschichte über ein deutsch-deutsches Liebespaar. Das Paar selbst bleibt dabei recht uninteressant, während die Nebenfiguren interssante Charaktere sind, erklärt Weyandt, für den die Geschichte gerade aus dieser Diskrepanz ihren Reiz bezieht. Inwiefern der Autor nun aber "populäre Erzähl- und Erklärungsmuster deutscher Wendebefindlichkeiten" zurücklässt, erschließt sich dem Leser der Kritik nicht ganz. Einfach, indem Sander die Wende nicht so wichtig nimmt? Es bleibt unklar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2014

Ziemlich desillusioniert geht Wiebke Porombka aus der Lektüre von Gregor Sanders Roman hervor. Das liegt zum einen an Sanders zurückhaltendem Sprachduktus, den die Rezensentin etwas deutlicher auch als "blass" bezeichnet. Zum anderen hat es mit der Dramaturgie zu tun, die laut Porombka Inkonsistenzen bzw. die ein oder andere Fragwürdigkeit aufweist. Ein dritter Grund liegt für die Rezensentin in der, nun ja, Trübsinnigkeit der Geschichte. Das Thema der Verlassenheit und des Verlassenwerdens lotet der Autor, wenn wir das richtig verstehen, reichlich intensiv und mit einiger konstruktiver Anstrengung aus.
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