Aus den Portugiesischen von Marianne Gareis. "Er war ein seltsamer Mann" so lernen wir Joseph Walser kennen, einen Fabrikarbeiter in einer namenlosen Stadt. Ein stiller Mensch, dessen Leben sehr eintönig verläuft: Die endlosen Stunden vor der Maschine, die trostlose Ehe mit seiner Frau Marga, das wöchentliche Würfelspiel mit Arbeitskollegen und die Sammlung loser Metallteile, die er wie einen wertvollen Schatz hinter verschlossener Tür hegt und pflegt. Doch Walsers Routine wird gewaltsam zerstört, als feindliche Truppen die Stadt besetzen und ein kleiner Unfall an seiner geliebten Maschine für ihn verhängnisvolle Folgen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.07.2014
Ist dieser Autor am Ende genial?, fragt sich Judith von Sternburg, die Gonçalo M. Tavares' kleinen Roman durchaus mit Kafka verglichen wissen möchte. Schon aufgrund seiner Konkretheit, seiner Zeitlosigkeit und seiner beunruhigenden Doppelbödigkeit wegen erscheint ihr der Roman großartig. Am meisten jedoch beeindrucken Sternburg die wunderbaren Beobachtungen, Momente des Parabelhaften und überraschenden, ins Leere laufenden Volten, die der Autor in die Geschichte über den bedeutungsvollen Maschinenbauer Joseph Walser einbaut und die laut Rezensentin die erzählerische Ruhe und Ökonomie des Textes auf unerwartetete Weise unterlaufen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.07.2014
Vor dem Hintergrund all der glatten Privatromane erscheint dem Rezensenten dieser bereits 2003 im portugiesischen Original erschienene Roman von Goncalo M. Tavares mit seinem experimentellen Zugriff als beachtenswert. Die paar losen Deutungsenden, den leichten Mangel an konstruktiver Dichte und die metaphysischen Reflexionen im Text nimmt Michael Stallknecht dafür gern in Kauf. Dem Leser rät er, den Text nicht als geschlossene Erzählung zu lesen, sondern als durchaus kafkaeskes Stück Skizzenprosa, abstrakt, aber im Detail hyperrealistisch, mit albtraumhafter Logik und einem fast technischen Blick auf die Untiefen der (Un-)Menschlichkeit.
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