Günter Wallraff

Aus der schönen neuen Welt

Expeditionen ins Landesinnere
Cover: Aus der schönen neuen Welt
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2009
ISBN 9783462040494
Kartoniert, 325 Seiten, 13,95 EUR

Klappentext

Günter Wallraff hat sich nicht zur Ruhe gesetzt. Seit einiger Zeit ist er wieder undercover unterwegs. Als Michael G. recherchierte er den Alltag in deutschen Callcentern - das Echo auf die in der Zeit veröffentlichte Reportage war gewaltig: Wallraff war Gast in Fernseh- und Hörfunksendungen; zahlreiche Callcenter-Mitarbeiter meldeten sich, die ihm von eigenen Erlebnissen berichteten. Als Niedriglöhner arbeitete Wallraff in einer Fabrik, die für Lidl Brötchen backt, bis zur Erschöpfung, erlitt mehrfach - wie auch seine Kollegen - Brandverletzungen. Dem Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig schlug Wallraff in der Sendung Kerner vor, gemeinsam mit ihm zwei Tage lang unter diesen Straflager-Bedingungen zu arbeiten - was dieser ablehnte. Und im Winter 2008/2009 hat Günter Wallraff am eigenen Leibe erfahren, wie Obdachlose in Deutschland leben. Er quartierte sich in Obdachlosenheimen ein und verbrachte die kältesten Tage des Winters auf der Straße, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad. Neben einer vierten Rolle, die bis zum Erscheinen geheim bleiben muss, und weiteren Fällen dokumentiert Wallraff in diesem Buch erstmals umfassend die Ergebnisse seiner neuen Recherchen, die auch nach den Presseveröffentlichungen weitergehen. Sein Fazit: In einem reichen Land leben heute immer mehr Menschen ganz unten, und das droht die Gesellschaft zu zerreißen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2009

Dass sich Günter Wallraff mit diesem Buch zurückmeldet, auf "antiquierte Weise" zwar, doch "verblüffend frisch" in Zeiten medialen Enthüllungs- und Erregungszwanges, findet Rezensent Christian Geyer kolossal. Die BRD-Institution Wallraff funktioniert laut Geyer noch immer tadellos mit "denselben Glaubenssätzen" und derselben Schwarzweißmalerei wie schon vor 40 Jahren. Aktueller, meint Geyer, geht es eigentlich nicht (Maultaschen-Urteil). Und an der Evolution des Arbeitsrechts mitzuwirken (wenn auch mittels des "Kunstgriffs", Recht für Gerechtigkeit zu nehmen), erscheint dem Rezensenten in Krisenzeiten angebracht. Dafür bedankt sich Geyer beim "Zeit-Magazin", das die meisten der hier zu findenden Reportagen in Auftrag gab und in Kurzform abdruckte.

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