Joseph Ponthus

Am laufenden Band

Aufzeichnungen aus der Fabrik
Cover: Am laufenden Band
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2021
ISBN 9783751800433
Gebunden, 239 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Mira Lina Simon in Zusammenarbeit mit Claudia Hamm. "Am laufenden Band" ist die Geschichte eines jungen Mannes, der als Zeitarbeiter in Fischfabriken und Schlachthöfen in der Bretagne arbeitet. In einer einfachen und einfühlsamen Sprache erzählt Joseph Ponthus mit viel Humor von seinem Arbeitsalltag. Er berichtet von Monotonie und Schichtarbeit, von Kälte und Gestank, von körperlicher Erschöpfung und dem allgegenwärtigen Tod von Tieren, aber auch von der Solidarität der Arbeiterschaft und der "paradoxen Schönheit" der Hallen. Während er am Fließband steht und gegen Tonnen von Wellhornschnecken kämpft, erinnert er sich an die Musikerinnen und Schriftsteller, die ihn prägten. Dank Dumas wird er wieder Musketier, mit Apollinaire ist er Lous Liebhaber, mit Marx kämpft er gegen die Auswüchse des Kapitalismus. "Am laufenden Band" ist sowohl Versroman als auch soziologische Studie über die Mechanismen der Fabrikarbeit und die moderne Sklaverei in der Lebensmittelindustrie. Es vereint die Stimme des Arbeiters mit der des Intellektuellen - eine Liebeserklärung an die Kunst und eine Hommage an die Arbeiterklasse.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.09.2021

Rezensent Ulrich Rüdenauer ist berührt, auch schockiert von Joseph Ponthus' Buch über seine Zeit als Arbeiter in einer Fleischfabrik. Bedrückend und abstoßend sei, was der Autor in seinem Text zwischen Prosagedicht, Roman und Manifest beschreibe, so Rüdenauer: die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, der gnadenlose Takt der Fließbandarbeit, die Nachwirkung dieser Unterwerfung auch im Privaten. Wie dies formal für den Leser erfahrbar werde, nämlich durch die abgehackten Verse und die "spartanische" Sprache, findet der Rezensent eindrücklich. Immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer, einen Ausweg aus diesem harten Alltag sieht er manchmal aufblitzen: So finde Ponthus etwa bei seiner Frau und beim Gedanken an seine Lektüre von Céline, Beckett oder Marx Beistand.