So kurz ein deutsches Kolonialreich auch nur existierte, so mächtig war die Idee - sowohl vor dem Erwerb der ersten deutschen Kolonie 1884 als auch nach dem Verlust aller Annexionen nach dem Ersten Weltkrieg. Der Traum von einem "Größeren Deutschland" bewegte und mobilisierte idealistische Träumer, inspirierte mutige Entdecker und bot rassistischen und menschenverachtenden Eroberern ein oft blutiges Betätigungsfeld. In dieser ersten populären Gesamtdarstellung des deutschen Kolonialismus können sich die Leser endlich ein eigenes, sachliches Bild machen von diesem verdrängten Kapitel deutscher Geschichte. Zwischen Völkermord und Südseeromantik spannt sich der Bogen dieser faszinierenden und fundierten Darstellung, die ein Standardwerk werden wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2006
Ein "gelungenes populärwissenschaftliches Werk" hat Jochen Pretsch anzuzeigen, der sich von Gisela Graichen und Horst Gründer gut informiert fühlt über die deutschen Kolonien von 1528 bis zur Auflösung des Kolonialpolitischen Amts der NSDAP 1943. "Scharf gezeichnete Porträts" von Kaufleuten illustrieren den wirtschaftlichen Ursprung der deutschen Außenposten in Afrika, China und dem Pazifik. Die Bekehrungsversuche der Kirchen werden laut Rezensent ebensowenig ausgelassen wie die teilweise drakonischen Repressionen der Verwaltungsbehörden gegenüber den Einheimischen deutlich beschrieben werden. "Amüsant" findet Pretsch den Artikel über Schwarze in der Werbung und die als "Nick-Neger" bezeichnete Spendenbox in den Kirchen. Deutliche Kritik geht aber an die Karten, die ohne Farbe auskommen müssen und deshalb für Pretsch "kaum benutzbar" sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2005
Für einen regelrechten "Skandal" hält Jürgen Zimmerer das Buch und die ZDF-Dokumentation, die unter dem Titel "Deutsche Kolonien" einen neuen Blick auf die deutsche Kolonialgeschichte werfen. Zimmerer empört sich weidlich über den "kolonialen Kitsch" und all die Klischees, die ihm in Buch wie Film gleichermaßen unangenehm aufstieß - Afrikaner kommen in beiden Produkten nicht als handelnde Subjekte vor, sondern nur als tanzende Nackte). Eine kritische Aufarbeitung der kolonialen Geschichte kann er nicht erkennen, stattdessen sieht er den Versuch am Werk, den Kolonialismus als "positive Epoche in die deutsche Nationalgeschichte zurückzuholen". Neben der Weigerung der Autoren, den Kolonialismus in Bezug zum Nationalsozialismus zu setzten, beklagt er zahlreiche terminologische Fehlgriffe, wie zum Beispiel die Überschrift zum Kapitel über den Kolonialverbrecher Carl Peters "Kolonialpionier oder kolonialer Herrenmensch". Zimmerer hält es nämlich für Verklärung, zwischen beidem zu unterscheiden.
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