Giorgio Agamben

Die Beamten des Himmels

Über Engel
Cover: Die Beamten des Himmels
Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783458710073
Gebunden, 153 Seiten, 15,80 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Andreas Hiepko. In fast allen Religionen erscheinen sie, die Mittler zwischen Himmel und Erde, die Boten, Kundschafter und Wächter. Jakob sieht sie im Traum, bei der Opferung des Isaak greift ein Engel ein, und der Engel des Herrn erscheint Moses im brennenden Busch. In den Psalmen sind sie gegenwärtig, im Talmud, in den Midraschim, in der Liturgie und in der mystischen Tradition. Giorgio Agamben folgt in seinem Essay den verschiedenen Interpretationen und Funktionszuschreibungen, die Engel in ihrer Deutungsgeschichte erfahren haben. Dabei steht die Frage nach ihrem Verhältnis zur Macht im Mittelpunkt, sind sie es doch, die in der trinitarischen Ökonomie des Himmels und deren säkularen Erscheinungsformen als »Beamte des Himmels« die Macht in all ihrer Herrlichkeit repräsentieren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2007

Passend zur Jahreszeit hat Sigrid Weigel zwei Bücher über Engel gelesen und sie stellt fest, dass das Interesse an Engeln heute ähnlich ausgeprägt ist, wie zuletzt in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Für Giorgio Agamben, dessen Essay über Engel ein Vorabdruck aus seinem Buch "Die Macht und die Herrlichkeit" darstellt, verbinden sich in den Engeln die Foucault?sche Vorstellung der "Gouvernementalität" mit Agambens eigener politischer Theologie, erklärt die Rezensentin. Der Autor verorte die Rolle der Engel als Einwirkende auf die Weltregierung, weshalb er sie schon im Titel als "Beamten des Himmels" apostrophiert, legt die Rezensentin weiter dar. Er stütze sich dabei maßgeblich auf ein Traktat Erik Petersons über Engel und sichere seine Befunde durch patristische Quellen ab, so Weigel. Agamben will damit der Theorie der "Gouvernementalität", die bei ihm in den Engeln Gestalt gewinnt, die "Herrlichkeit" zurückgeben, die ihr heute eher abgeht, meint die Rezensentin abschließend.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.12.2007

Mit größter Freude nimmt Hans-Peter Kunisch die beiden Engelbücher von Giorgio Agamben und Andrei Plesu auf, die beide der Verkitschung und süßlichen Verherrlichung der Engel ein Ende machen. Agambens "Beamte des Himmels" hält Kunisch jedenfalls für "erstaunlich verstehbar": Die Engel erscheinen darin - ganz im Sinne Thomas von Aquins - nicht als wohlmeinende Heilsbringer, sondern als "Handlanger der Macht", Bürokraten, die in einer strengen himmlischen Hierarchie verankert sind. Am untersten weltlichen Ende des Systems steht natürlich der Mensch, dessen Bestrafung die rangniederen Engel ganz gern auch als Spektakel und "Ausdruck der ewigen Ordnung" genießen. In solcher Fiesheit sieht Kunisch geradezu den Weg nach Auschwitz gebahnt - oder zumindest Rilke bestätigt, der in seinen "Duineser Elegien" den Engeln höchstens eine "grausame Dignität" zusprechen wollte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Das vorliegende Buch ist eigentlich bloß ein Kapitel aus der unter dem Titel "Die Macht und die Herrlichkeit" geplanten politischen Theologie von Giorgio Agamben, erläutert Thomas Macho. Dementsprechend widmet sich Agamben den Engeln auch nur in der Hinsicht, in der sich in ihnen eine Hierarchie des Himmels ausdrückt. In einer Art "machtpolitischer translatio dei" interessiere sich aus Rechtfertigungsgründen besonders die Kirche für die vertikale Machtstruktur der "Beamten des Himmels", wie der Rezensent erfährt. Macho klingt insgesamt aber ein wenig unbefriedigt, wenn Agamben die Engel als "bloße Assistenten Gottes" behandelt. Immerhin gesteht er ihm einen "gelehrten" Kommentar zur Angeologie des Thomas von Aquin zu. Mehr aber auch nicht.